Neuzugänge

Juni 2019

Ausführliches bürgerliches Kochbuch

Weigand, Antonie, 1897, 2. Auflage, 462 Seiten

Leineneinband mit Küchenmotiv

Weiss [4120], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 7,16 Euro

Immer wieder verkaufen Händler bei ebay kleine Konvolute von Büchern zum Startpreis von einem Euro. Manchmal hat man hier Glück und macht ein echtes Schnäppchen. In diesem Fall habe ich für 21,50 Euro drei Bücher bekommen: Ein eher unspektakuläres Lexikon von 1920, dieses Buch von Weigand, dass ich bereits identisch vor etwas über einem Jahr (für damals 62,00 Euro!) gekauft hatte und eine Erstausgabe von Henriette Sander. Da ich das hier abgebildete Buch schon im Blog hatte reiche ich nur diesen heute auch noch hilfreichen Tipp nach: „Die schlechte Gewohnheit des übermäßigen Salzens ist entschieden von verderblicher Wirkung auf die Gesundheit“.

 

Neues praktisches Kochbuch

Sander, Henriette, 1875, Erstausgabe, 612 Seiten

Halbleineneinband mit Titelblatt

Weiss [3332], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 7,16 Euro

Dieses Buch ist das wahre Schnäppchen der oben genannten Auktion. Eine Erstausgabe von 1875 in einem zwar gebrauchten aber noch passablen Zustand. Das Titelblatt ist zusätzlich auf dem Einband aufgeklebt und zeigt auch den Preis: 3 Mark (4 Thaler). Das Kochbuch ist ein reines Nutzbuch und so gibt es neben den Rezepten auch Küchenzettel für das ganze Jahr. Wer also noch nach Ideen für ein paar Herbstgerichte sucht, wie wäre es mit Austern mit Champagner?

 

Allgemeinnütziges Kochbuch für Teutschland

Ritsert, G. L., 1825, 2. Auflage, 526 Seiten

Marmorierter Pappeinband mit Rückenschild

Weiss [3205], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 167,95 Euro

Nach diesem Buch habe ich lange gesucht und als es endlich bei ebay auftauchte war klar, dass ich hier hoch mitbieten würde. Ich hatte bereits vor Beginn dieses Blogs den zweiten Teil des Buches gekauft und hier war nun endlich der erste Teil. Die zweite Auflage erscheint 14 Jahre nach der Erstausgabe, was dafür spricht, dass letztere nicht sehr erfolgreich war. Immerhin geht der Verleger im Vorwort auf Spurensuche und identifiziert als Problem den zu hohen Preis der Erstausgabe. Wie man sieht, kostet die zweite Auflage nur noch die Hälte. Endgültig zum Schnäppchen wird das Buch dann durch die vielen korrigierten Fehler.

Mai 2019

Supp‘, Gemüs‘ und Fleisch

Dähnhardt, Emma, 1858, 9. Auflage, 382 Seiten

Halbledereinband mit Goldprägung

Weiss [665], Quelle: ZVAB, Preis: 28,00 Euro

Wie schon an anderer Stelle geschrieben: Man kann einfach nicht genug Supp‘, Gemüs‘ und Fleisch haben. Diese schöne Ausgabe wurde günstig angeboten und so schlug ich zu. Allein durch den goldverzierten Rücken wird sie ein Schmuckstück in der Dähnhardt-Sammlung werden. Als kleinen Bonus befanden sich noch ein handschriftliches Rezept und ein Kalenderblatt von 1917 als Lesezeichen im Buch. Und für alle die es gerne mal deftig mögen: Bratwurst mit Zwiebelsauce.

 

New Feldt und Ackerbaw

Crescentius, Petrus, 1583, Erstausgabe, 566 Seiten

Halbledereinband auf vier Bünden

Weiss [650], Quelle: Frankfurter Buchmesse, Preis: 1.600,00 Euro

In diesem Jahr war ich zum ersten mal als akkreditierter Blogger auf der Frankfurter Buchmesse. Dieses phantastische Werk stand auf der Antiquariatsmesse in Halle 4 zum Verkauf und auf Grund des Absatzes zum Brotbacken entschied ich mich zum Kauf. Das Buch ist im Folio-Format und misst damit stolze 32×21 cm, größer als DIN A4. Es ist zahlreich bebildert mit Holzstichen und ich denke es hat einen höheren Wiederverkaufswert als mein Kaufpreis. Wie sehr sich unsere Sprache in den letzten 400 Jahren entwickelt hat sieht man nicht nur am Titel des Buches sondern an jedem Satz. Auch die Holzstiche vom Brotbacken wirken wie aus einer anderen Welt.

 

Kochbuch für den Gasherd

Hohtmann, H., 1897, 4. Auflage, 148 Seiten

Ledereinband mit Goldprägung

Weiss [1670], Quelle: Flohmarkt an der Buchmesse, Preis: 20,00 Euro

Drinnen eine große Rarität, draußen eher etwas bescheideneres. Auch das gehört zur Frankfurter Buchmesse: Der Bücherflohmarkt vor der Festhalle. In diesem Jahr gab es hier nur ein Buch für mich, dafür aber ein vergleichsweise schönes. Ganz in Leder kommt das Kochbuch für den Gasherd daher und ist in Gold und schwarz geprägt. Wie es sich für ein derartig spezialisiertes Buch gehört enthält es einen Anhang mit Werbung. [Weiss] schreibt: „ein nahezu komplettes Angebot der auf dem Markt erhältlichen Gasgeräte“. Wie wäre es zu Weihnachten mit einem neuen Brat-Apparat der Hildesheimer Sparherdfabrik A. Senking?

 

Der Dresdner Koch

Baumann, Johann Friedrich, 1830, Erstausgabe, 358 Seiten

Marmorierter Pappeinband mit Rückenschild

Weiss [258], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 100,00 Euro

Von diesem Buch hatte ich vor etwas über einem Jahr bereits den ersten Teil gekauft. Hier also nun der zweite und letzte Teil. Wie im ersten Teil nutzt Baumann sowohl die deutschen als auch die französischen Begriffe der Gerichte im ganzen Buch. Lediglich die Jahreszahl irritiert mich. Der zweite Teil wurde scheinbar vor dem ersten Teil gedruckt. Auch [Weiss] kennt nur diese Ausgabe und ich habe keine Erklärung dafür, außer dass der Druck insgesamt lange gedauert hat. Und als Seitenhieb gegen die Franzosen: Ein Bild vom Abschnitt über das Backwerk.

April 2019

Neuestes Berlinisches Kochbuch

Unger, Friederike Helene, 1785, Erstausgabe, 198 Seiten

Halbledereinband auf 4 Bünden

Weiss [3900], Quelle: ZVAB, Preis: 460,00 Euro

Laut [Weiss] ist die nicht auf dem Titelblatt verzeichnete Autorin die Frau des Herausgebers Johann Friedrich Unger und in späteren Ausgaben wird sie wohl auch genannt.  Besser nachvollziehen lassen sich die Besitzerinnen des Buches, denn sie haben sich von 1786 (Carolina ???) über 1863 (Johanna? Arnold) bis 1963 (Maj Ingrid Baedel) verewigt. Nun gehört das Buch also mir und ich danke den Vorbesitzerinnen für die gute Erhaltung. Die Nützlichkeit des Buches sollte auch über die Grenzen Berlins hinaus reichen, was Ende des 18. Jahrhunderts durchaus unüblich war, denn viele Kochbücher waren regional und enthielten auch nur regionale Maße und Begriffe.

 

Allzeitfertigen Hauß=Verwalters Rares Koch= Condir= Und Distilir=Buch

Schrödter, Caspar, 1719, Erstausgabe, 128 Seiten (337-464)

Teil eines anderen Buches, ohne Einband

Weiss [3497], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 106,00 Euro

An diesem Buch ohne Einband lässt sich sehr schön erkennen, warum es  „Buchbinderei“ heißt. Werden heute die meisten Bücher geleimt oder geheftet, ist dieses Buch noch mit Faden gebunden. Das Kochbuch selbst ist Teil eines größeren Hausvaterbuchs, dem leider die ersten Seiten fehlen. Das Kochbuch jedoch ist vollständig und hat ein eigenes Titelblatt, daher habe ich hier zugeschlagen. Vermutlich werde ich dieses Werk zur Buchbinderin meines Vertrauens bringen um es angemessen einbinden zu lassen.

 

Der Saucier

Hampel, Friedrich, 1897, Erstausgabe, 144 Seiten

Leineneinband mit Goldprägung

Weiss [1430], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 35,50 Euro

Bei diesem Buch werde ich noch einige Nachforschungen zur Herkunft anstellen. Der Verlag „Specialbuchhandlung für Kochkunstliteratur“ ließ sich mit einer einfachen Suche bei google nicht finden. Allerdings ist es ein Aufkleber und darunter sieht man  „Wien Pest Leipzig – A. Hartleben’s Verlag“, ein deutlich bekannterer österreichischer Verlag, der bis heute unter dem Namen „HERA A. Hartleben GmbH“ ein Ladengeschäft in Wien betreibt. Das Buch selbst nutzt der Autor nicht zuletzt um Werbung für sein anderes Buch, das „Hand-Receptbuch für die Thee- und Mehlspeisküche“ zu machen, in dem er positive Rezensionen von bekannten Köchen und aus Zeitungen wiedergibt.

März 2019

Wohl=informirter Tafel-Decker und Trenchant

Kletten, Andreae, 1724, Erstausgabe, 154 (von 166) Seiten

Halbledereinband im Querformat

Weiss [1945], Quelle: ebay-Sofortkauf, Preis: 250,00 Euro

Wie das bereits in die besonderen Stücke eingezogene Trincir-Buch von Harsdörffer ist auch dieses Buch im Querformat gedruckt um die vielen Kupferstiche besser darstellen zu können. Laut [Weiss] handelt es sich bei einer früheren Ausgabe des Buches auch größtenteils um ein Plagiat von Harsdörffers Trincir-Buch. In dieser späteren Ausgabe unter neuem Namen scheint dies jedoch nicht mehr der Fall zu sein. Leider fehlen dem Buch die letzten Seiten, die Kupfer sind jedoch vollständig. Das erste der hier abgebildeten Kupfer zeigt die richtige Haltung der Hände beim Tranchieren, das zweite Kupfer zeigt verschiedene Dekorationsmöglichkeiten für Äpfel.

 

Die deutsche Küche.

Niggl, Johann Nepomuk, 1870, Erstausgabe, 386 Seiten

Halbleineneinband auf 5 stilisierten Bünden mit Goldprägung

Weiss [2832], Quelle: ebay-Sofortkauf, Preis: 150,00 Euro

Eine sehr schöne Erstausgabe, die mit vielen Abbildungen von Gerichten schließt. Sicher hätte man sich an der ein oder anderen Stelle damit etwas mehr Mühe geben können, so sehen die verschiedenen Torten doch alle recht flach aus. Bei Dönhoffs Torte handelt es sich übrigens um eine Aprikosen-Erdbeer-Sahnetorte mit Meringue-Deckel, bei der Schönborn-Torte um eine Art Linzer Torte.

 

Deutsches Illustrirtes Kochbuch für alle Stände

Ritter, Friederike, 1857, 3. Auflage, 603 Seiten

Leineneinband mit Goldprägungen

Weiss [3207], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 81,00 Euro

Ritters Kochbuch besaß ich bereits in einer späteren Auflage und der stolze Preis für eine Drittausgabe zeigt, dass das Buch nach wie vor stark gesucht ist. Zum lithographierten Frontispiz kommen 80 Textholzschnitte, somit trägt das Buch durchaus zurecht den Namen „Illustriertes Kochbuch“. Die „transportable Kochmaschine“ aus dem Haus F. W. Kayser in Berlin findet man beispielsweise auch in der Küche von Schloss Sanssouci (natürlich in der deutlich größeren Luxusausfertigung). Insbesondere den integrierten Heißwasserspender finde ich bemerkenswert, das hätte ich heute am Herd auch gerne. Die Warmhalteschublade ist hingegen auch bei modernen Herden nicht unüblich, die wenigsten Menschen wissen das jedoch.

 

Haushaltungsvortheile für Hausmütter des Mittelstandes

Autor unbekannt, 1808, Erstausgabe, 207 Seiten

Pappeinband

Weiss [896], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 95,00 Euro

Ein bemerkenswertes Buch und ich überlege, es in die „besonderen Stücke“ aufzunehmen. Das Buch ist lediglich in einem Katalog verzeichnet (IDS Luzern) und auch [Weiss] kennt nur das eingebundene Kochbuch. Es scheint eine überarbeitete Auflage von „Rath für junge Hausmütter“ von 1807 zu sein aber auch hier zeigen sich Abweichungen. Trotzdem scheint mir dieses Werk hier eine Raubkopie zu sein. Dafür spricht auch das schlampig mitten in das Buch eingebundene Kochbuch. Weiss hatte das Kochbuch scheinbar auch nicht vorliegen, denn ihm fehlen Angaben zur Seitenzahl.

Februar 2019

Die kunstgemässe Garnirung von Schüsseln

Mackeldey, Johanna,  1905, Erstausgabe, 47 Seiten

Leineneinband mit Goldprägung, Weiss [2413]

Quelle:  Historica Antiquariat Bert Wawrzinek, Preis: 48,00 Euro

Eines von zwei Einkäufen im Antiquariat Historica in Dresden. Der hier vorliegende Sonderdruck der allgemeinen Fleischerzeitung ist kein Kochbuch im klassischen Sinne, sondern eher noch mit dem Trincir-Buch zu vergleichen. Die vielen Bilder sind chromolithographisch hergestellt, also vergleichbar mit den Liebig-Bildern. Neben Anrichtungsbeispielen und benötigtem „Werkzeug“ wie Messern und Schneidbrettern werden auch Dekorierteile der Zeit gezeigt, wie dieser opulente Aufsatz.

 

Deutsches Kochbuch

Ferrario, Georg Otto, 1896, Erstausgabe, 384 Seiten

Leineneinband mit Jugendstilmotiven, Weiss [1033]

Quelle: Historica Antiquariat Bert Wawrzinek, Preis: 100,00 Euro

Bei der Suche nach mehr Informationen über diesen Autor bin ich auf zwei diesem Blog ähnliche Seiten gestoßen, die das Buch auch in ihrer Sammlung haben. Leider scheint es, als hätten beide „Konkurrenten“ schier unerschöpfliche Mittel und beide Sammlungen haben denke ich hohe sechsstellige Werte. Nun, zumindest bei Ferrario habe ich gleichgezogen. Dresden scheint um die Jahrhundertwende ein interessantes Reiseziel für Russen gewesen zu sein, denn das Buch hat einen eigenen Abschnitt zur russischen Küche und auch einige Menüvorschläge.

Januar 2019

Suppe, Gemüse und Fleisch

Straßer, Amalie, 1861(?), 26.(?) Auflage, 96 Seiten

Leineneinband mit Goldprägung

Weiss [3754], Quelle: Antikhandel Lehmann, Dresden, Preis: 30,00 Euro

Ein fast schon frech geklauter Titel und auch die Auflagenzahl lässt aufhorchen. [Weiss] hat das Werk ohne Auflagennummer aber mit gleicher Seitenzahl gelistet, eine weitere Ausgabe ist auch über Kataloge nicht nachweisbar, was bei angeblichen 26 Auflagen mehr als bemerkenswert wäre. Das Kochbuch ist sehr dünn und klein, kann aber beispielsweise durch ein Kupfer zur Tranchier-Kunst überzeugen, dass den Büchern von Dähnhardt fehlt.

 

Praktisches Haushaltungs= und Kochbuch

Gerike, Auguste, 1839. 3. Auflage, 570 Seiten

Marmorierter Pappeinband

Weiss [1210], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 37,50 Euro

Liebhaber der Vollwertküche werden sich freuen: In diesem Buch wird zuerst über Vollkornbrot geschrieben, ehe Rezepte mit Weizenmehl folgen. Insgesamt deckt die Liste der Backrezepte aber das ab, was man auch heute noch in einer alteingesessenen Bäckerei erwarten würde. Am Ende in das Buch eingebunden sind 100 Leerseiten, 20 davon wurden handschriftlich in Sütterlin mit Rezepten gefüllt.

 

neuestes Augsburger Kochbuch

Emerich, Elisabetha, 1830, Erstausgabe, 424 Seiten

Pappeinband mit leeren Rückenschild

Weiss [919], Quelle: ebay-Sofortkauf, Preis: 225,00 Euro

Eine schöne Erstausgabe aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Frontispiz zeigt eine Küche der Zeit. Es wird auch explizit das Druckverfahren genannt: Ein „Steindruck“, besser bekannt unter dem Namen Lithographie. Dieses Druckverfahren setzte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts langsam gegen die bisherigen Kupfer- und Stahlstiche durch, bis es zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom Offset-Druckverfahren abgelöst wurde. Untypisch für die Zeit: Am Ende des Buches befindet sich Werbung für andere Bücher. Auch die Preise sind genannt. Für das „Verteutschungsbuch“ werden etwa 48 Kreuzer fällig, alternativ 12 gute Groschen oder 15 Silbergroschen.

 

Neues wienerisches Kochbuch

Autor unbekannt, 1807, Erstausgabe, 313 Seiten

Pappeinband

Weiss [2774], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 117,00 Euro

An diesem Buch sieht man leider was passiert, wenn man Bücher zu feucht lagert. Das Papier ist bereits relativ porös und der Druck ist verblasst, wodurch die Bilder unscharf wirken. Dennoch letztlich eine schöne Erstausgabe, zumal gerade österreichische Kochbücher oft astronomische Preise erzielen. Das Frontispiz zeigt eine Küche der Zeit, spartanisch eingerichtet mit einem Kohleofen als Kochstelle. Man mag sich angesichts des offenen Feuers gar nicht vorstellen wie warm es der Köchin in ihrem Kleid sein mag.  Auch die Einleitung legt nahe, dass Köchin zu Beginn des 19. Jahrhunderts kein einfacher Beruf war. Gerade die Reinlichkeit dürfte in der sicherlich rußigen Küche ein Problem sein.

 

Allerneueste Anweisung zum kochen

Massialot, François, 1739, Erstausgabe, 880 Seiten

Pergamenteinband

Weiss [2473], Quelle: ZVAB, Preis: 2.750,00 Euro

Mit der deutschen Erstausgabe von Massialot’s „Le cuisinier roïal et bourgeois“ erfülle ich mir einen lange gehegten Traum. Das Buch ist in einem nahezu perfekten Zustand und es zeigt sich immer wieder, dass die hohen Preise in Marcus van Sprang’s Antiquariat „Kochkunst Bibliothek“ in Davos nicht unangemessen sind. So halte ich also nach dem Diaeteticon, dem Nürnbergischen Kochbuch und dem Brandenburgischen Kochbuch das vierte der fünf großen Kochbücher des Barock in meinen Händen. Es verbleibt Hagger’s Saltzburgisches Kochbuch, allerdings scheint es derzeit unter 10.000 Euro nicht käuflich zu sein.

Dezember 2018

Neues schweizerisches Kochbuch

Flury, Margarita, 1851, Erstausgabe,  336 Seiten

Marmorierter Halbleineneinband

Weiss [1076], Quelle: ZVAB, Preis: 147,32 Euro

Im  Gegensatz zu heutigen Kochbüchern, die gerne nur eine bestimmte Küche oder bestimmte Rezepte beleuchten, waren Kochbücher im 19. Jahrhundert allumfassende Werke. So zeigt man als Autorin auch gerne schon mal auf dem Titelblatt, dass das Kochbuch so ziemlich alles erdenkliche an Speisen und Getränken behandelt und mit den beigefügten Speisezetteln auch noch ein Ideengeber für den Alltag ist.  Das Kochbuch für Stadt und Land richtet sich scheinbar eher an die einfache Bevölkerung und beim Fleisch wird nichts ungenutzt gelassen. So wirken einige der Rezepte heute doch eher unappetitlich, obwohl sie teilweise wieder zu Delikatessen avancieren. Den italienischen Einfluss auf die Schweiz zeigt ein Rezept für Salami, die man wohl auch nicht unbedingt mit dem Jahr 1851 verbindet.

 

Die erfahrene Münchener Köchin

Buchnerin, Crescentia, 1838, Erstausgabe, 486 Seiten

Marmorierter Pappeinband, laienhaft verstärkt

Weiss [543], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 252, 00 Euro

Von jeher hat man in Bayern ein gesundes Selbstverständnis. Keine Ausnahme machte dabei offensichtlich auch der Blick auf die bayerischen Kochkünste. Außerdem ist dies ja auch das „Urtheil aller Fremden“ im Jahre 1838. Die ursprüngliche Besitzerin des Buches war aber zumindest scheinbar von der Gesamtzahl der Rezepte nicht überzeugt, denn sie hat mitten im Buch ein Blatt aus einem anderen Kochbuch eingeklebt, dem „Gründlichen Kochbuch“ von 1835, ebenfalls gedruckt in München.  Das Rezept für die Tabaks-Rollen verwirrt mich jedoch. Es scheint eine Süßspeise zu sein, enthält aber Zwiebeln.

 

Die Curieuse Köchin

Autor unbekannt, 1706, Erstausgabe, 776 (von 804) Seiten

Halbpergamenteinband

Weiss [656], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 360,00 Euro

An diesem Buch sieht man sehr schön, was man beim Erstellen einer ebay-Auktion falsch machen kann. Dieses Buch startete mit einem Preis von 360,00 Euro und genau dafür habe ich es auch bekommen. Zum Vergleich: Einziges weiteres Exemplar im Handel auf ZVAB bei weit über 1000 Euro. Ich bin mir sicher bei einem Startgebot von 1 Euro hätte ich es nicht für 360 bekommen. Aber ich will nicht meckern, zumal hinten ein paar Seiten fehlen, die aber nur Schmink-Tipps beinhalten und keine Kochrezepte mehr, von daher ein verschmerzbarer Verlust. „Italiänische“ Speisen, so wie sie auf dem Titelblatt versprochen werden, habe ich bis jetzt aber keine gefunden, auch wenn es Rezepte für „Pasta“ gibt.

November 2018

„altes Kochbuch v. Mutter“

???, Jahrgang ???, Auflage ???, > 400 Seiten

Ohne Einband

Quelle: Flohmarkt auf dem Karolinenplatz, Preis: 5,00 Euro

Auch das gehört zum Alltag eines Kochbuchsammlers: Ein in einem Briefumschlag eingepacktes, zerfläddertes Kochbuch. Zu schade zum wegwerfen, zu zerfallen zum sammeln. Aber mich interessierte vor allem, was es war. Ein paar Vergleiche und Suchen später und es war klar dass es sich um eine Ausgabe von „Supp‘, Gemüs‘ und Fleisch“ handeln musste und zwar zwischen der 51. und der 54. Auflage, die ich beide als Vergleich zuhause habe. Eine weitere Suche ergab dann den Treffer bei „Björn’s Alltagserinnerungen„, der das Buch vorstellt und Bilder hatte, die mit meinem Fragment übereinstimmen. Damit lässt sich festhalten, das Buch ist:

„Supp‘, Gemüs‘ und Fleisch“

Dähnhardt, Emma, 1906, 52.Auflage, 411 Seiten, Weiss [665]

 

Der Sorgfältige, Neuvermehrte Haus= und Wirthschafts=Verwalter

Autor unbekannt, 1751, 4. Auflage, 678 Seiten

Ledereinband auf 5 Bünden mit Rückenschild

Weiss [3639], Quelle: ZVAB, Preis: 450,00 Euro

Dieses Buch hatte ich bereits in der 3. Auflage (siehe Eintrag vom 2. Juni 2017) aber angesichts des wundervollen Ganzleder-Einbandes musste ich hier erneut zugreifen. Ebenso wie die 3. Auflage ziert das Buch ein Titelkupfer von Bartholomäus Strahowsky. Zu Francisci Lux konnte ich bisher nichts erfahren, außer dass noch mindestens zwei weitere Bücher in seinem Besitz waren:  Marianische Lob- und Ehren-Predigen und Der Wohlerfahrne Catechismus.

Oktober 2018

Der gantz Haußrat

Sachs, Hans, 1553, Erstausgabe, 16 Seiten

Heftung

Quelle: ebay-Sofortkauf, Preis: 250,00 Euro

Hans Sachs war einer der Nürnberger Meistersinger und seine Dichtkunst färbte später auf Goethe und Richard Wagner ab, der ihn zu einer Hauptfigur einer seiner Opern machte. Der hier vorliegende Druck konnte vom Verkäufer nicht genau datiert werden, ich will aber angesichts des Papierzustandes, des Geruchs und des Schriftbildes nicht ausschließen, dass es ein Original von 1553 ist. So lange diese Unsicherheit noch besteht will ich es aber nicht in die Besonderen Stücke aufnehmen, zumal es auch kein Kochbuch im klassischen Sinne ist sondern eher eine Lebensweisheit in Gedichtform.

 

Kochbuch

Schlienbecker, Wilhelmine, 1877, 2. Auflage, 199 Seiten

Leineneinband mit Goldprägung

Weiss [3404], Quelle: Antiquariat Kok, Amsterdam

Ein Hoch auf Hans Weiss! Ohne seine Gastronomia wäre mir bei diesem Buch tatsächlich ein entscheidendes Detail entgangen und das obwohl ich es sogar hier abgebildet habe. So schreibt Weiss: „Vermutlich das einzige Kochbuch mit einer Originalphotographie als Frontispiz“. Und tatsächlich handelt es sich bei dem Abbild der Autorin um ein in das Buch eingeklebtes Photo. Mit dem Originalrezept der grünen Sauce scheint die Autorin in ihrem 50-jährigen Wirken in Frankfurt am Main allerdings nicht in Berührung gekommen zu sein.

 

Neues praktisches badisches Kochbuch

Autor unbekannt, 1896, 13. Auflage, 278 Seiten

Leineneinband mit Reliefs

Weiss [2761], Quelle: Antiquariat Kok, Amsterdam

Auch wenn sich der Badener gerne vom Schwaben absondert, die Sparsamkeit hatten sie offenbar beide gemeinsam. So soll „schmackhaft und wohlfeil“ gekocht werden, also billig. Keine teuren Schildkröten zur Hand für Schildkrötensuppe? Kein Problem, nimmt man eben Kalbskopf. Auch die spätere Besitzerin war sparsam, so fand sich im Buch ein Zeitungsausriss mit einem Rezept für selbstgemachtes Tomatenmark. Dank der daneben befindlichen Todesanzeige kann man den Ausschnitt leicht auf das Jahr 1953 zuordnen.

September 2018

Was soll ich morgen kochen?

Brunfaut, Eugen, 1902, 2. Auflage, 168 Seiten

Leineneinband mit Goldprägung

Weiss [521], Quelle: Antiquariat Kok, Amsterdam

Ich habe keine Ahnung, was dieses Kochbuch für das deutsche Fleischer-Haus von anderen Kochbüchern der Zeit unterscheidet und auch die Frage ob dieses Kochbuch notwendig war würde ich nicht voller Überzeugung mit „Ja!“ beantworten. Das Kochbuch ist allgemein gehalten und es gibt nicht nur Fleischgerichte sondern auch einen Abschnitt über Gemüse. So wirkt das ganze dann doch eher aufgesetzt und soll wohl primär Werbung für die Allgemeine Fleischer-Zeitung sein. Immerhin: Die „afz“ existiert bis heute.

 

Das Buch der Hausfrau

Berndt, Dr. Heinrich, 1852, Erstausgabe, 429 Seiten

Leineneinband mit Goldprägung und Marmorschnitt

Weiss [322], Quelle: Antiquariat Kok, Amsterdam

Der Beruf der Hausfrau umfasste im 19. Jahrhundert sehr viel mehr als das, was man sich heute unter dem Begriff „Hausfrau“ vorstellt. Die Hausfrau war mehr oder weniger für alles im Haus zuständig und so gab es zu dieser Zeit auch viele Nachschlagewerke über die Aufgaben der Hausfrau. Dazu zählten auch Arbeiten die man heute klassischerweise in die Männerdomäne einsortieren würde, wie die Anschaffung von Sanitäranlagen im Haus.  Bei dem auf den Abbildungen gezeigten Apparat handelt es sich um eine Duschkabine. Für die Herstellung war dann aber doch „der Klempner“ zuständig.

August 2018

Marianne Strüf’s Haus- und Kochbuch

W., A., 1863, 6. Auflage, 524 Seiten

Leineneinband mit Goldprägung und Jugendstilmotiv

Weiss [1147], Quelle: Antiquariat Kok, Amsterdam

Auch in diesem Werk kann man die zahlreichen Aufgaben der Hausfrau im 19. Jahrhundert sehen. So umfassen sie beispielsweise auch die Heizung und die Beleuchtung. Die ursprüngliche Autorin des Buches war Anna Fürst, die sich wohl selbst „Marianne Strüf“ als Pseudonym gegeben hat. Ab der 6. Auflage wurde das Buch von „A. W.“ überarbeitet, der Titel aber beibehalten. Heutzutage würde man das wohl „Branding“ nennen.

 

Die Küche der berufstätigen Frau und des kleinen Haushaltes

Hofmann-Egli, Lydia, 1926, Erstausgabe, 229 Seiten

Bedruckter Leineneinband

Quelle: Antiquariat Kok, Amsterdam

Dieses Buch ist für mein Sammelgebiet eigentlich zu neu aber der Titel faszinierte mich. Berufstätige Frauen in den 20er Jahren? Wo doch erst in den 70er Jahren das Eherecht in Deutschland geändert wurde? Aber: Bereits um 1900 waren fast ein Drittel aller Frauen außerhalb des Haushalts berufstätig. So verwundert also auch dieses Kochbuch nicht. Im Vergleich zu den Büchern aus dem 19. Jahrhundert sieht die abgebildete Stube bereits wie ein Zimmer auf einer Berghütte aus und der Herd scheint einen Gasanschluss zu haben. Auch die Rezepte sind fortschrittlich dargestellt. Es gibt eine Zutatenliste und eine Aufteilung der Arbeitsschritte mit Zeitplan.

Juli 2018

Die Küche des Friedrich=Stifts.

Von Gruben, Lina und Hartdegen, Luise, 1899, 2. Auflage, 262 Seiten

Leineneinband mit Goldprägung

Weiss [1326], Quelle: Antiquariat Kok, Amsterdam

Beim Friedrich-Stift handelte es sich um ein Pensionat für Mädchen – eine Haushaltungsschule, ähnlich einer heutigen Berufsschule. Viele dieser Schulen hatten früher eigene Kochbücher und einige davon habe ich auch schon in meinem Besitz. Kochen versteht man hier nicht als reine Zubereitung der Speisen sondern die „Kochkunst“ umfasst auch alles um das Essen herum: Einkauf, Dekoration, Abwechslung, Nährwerte. Zu letzterem wird sogar bereits im Vorwort auf eine wissenschaftliche Abhandlung verwiesen.

 

Schlesisches allgemeines Kochbuch

Autorin unbekannt, 1805, Erstausgabe, 462 Seiten

Marmorierter Pappeinband mit Rückenschild

Weiss [1360], Quelle: ZVAB, Preis: 350,00 Euro

„Luxurieuse Zeiten“ Anfang des 19. Jahrhunderts, das bedeutete dass immer neue Zutaten und Ideen die Küchen erobern. Somit reicht es nicht aus wenn man das Kochen nur von der Mutter erlernt sondern man benötigt selbstverständlich ein Kochbuch um mit der Mode gehen zu können. Da aber weiterhin regional gedacht wird weist das Schlesische Kochbuch die Leserinnen an, die Produkte des Vaterlandes zu nutzen. Ein Widerspruch?! Zumindest Reisgerichte findet man selten in Kochbüchern dieser Zeit und aus Schlesien kommt der Reis dafür vermutlich auch nicht.

 

A new system of domestic cookery

Autorin unbekannt („A lady“), 1829, new edition, 456 Seiten

Halbledereinband auf 5 Bünden mit Rückenschild und fehlendem Deckel

Quelle: ebay-Auktion, Preis: 26,69 Euro

Eigentlich passte dieses englische Buch nicht so recht in meine Sammlung aber der Preis wollte einfach nicht steigen und so musste ich am Ende zuschlagen. Im Direktvergleich zu deutschen Kochbüchern der Zeit sieht man in den englischen Kochbüchern ganz deutlich die Kolonialisierung. So habe ich noch in keinem der deutschen Kochbücher ein Curry-Rezept gefunden. Bemerkenswert ist auch, wie Worte sich in den Sprachen gleichen. Heißt es im deutschen Frontispiz, sagt der Engländer Frontispiece und der Franzose Fronstispice. So klingt jedes Wort ein bisschen als wäre der Ursprung in der eigenen Sprache, es kommt aber aus dem Lateinischen (frontispicium).

 

Thüringer Kochbuch

Autor unbekannt, 1854, 3. Auflage, 262 Seiten

Marmorierter Pappeinband mit Rückenschild

Quelle: ebay-Auktion, Preis: 86,00 Euro

Eine fast schon unfassbare Lücke bei [Weiss]. Vom Namen her passt es zum Wiener Kochbuch, so dass hier eventuell nur der Ort ausgetauscht wurde, zumal das Wiener Kochbuch in Leipzig gedruckt wurde.  Das Rezept für „Magonoise“ findet sich hingegen deckungsgleich bei August Erdmann Lehmann im „nützlichen Buch für die Küche“. Letztlich konnte ich es nicht aufklären. Ein weiteres Mysterium sind die in Nichts eingemachten Trüffel. Zwar macht es Sinn diese mit Hitze zu konservieren, warum man allerdings Heu unter das Einmachgefäß geben soll erklärt sich mir nicht.

 

Die wohl unterrichtete und sich selbst belehrende Frankfurter Köchin

Loray, Josepha, 1833, 3. Auflage, 270 Seiten

Marmorierter Pappband mit verblasstem Rückenschild

Weiss [2383], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 86,00 Euro

In der Vorrede bemerkt die Autorin, dass in dieser dritten Auflage vor allem darauf Wert gelegt wurde, Rechtschreibfehler zu verbessern. Vermutlich hat man in den vorigen beiden Auflagen sich etwas zu viel dem hessischen bedient. Anleihen davon zeigen sich zumindest auf dem Titelblatt noch in der „Transchirkunst“. Eventuell hat man aber auch ein paar mal zu oft den „Bischof“ besucht.

Juni 2018

Bremisches Kochbuch

Gleim, Betty, 1808, Erstausgabe, 304 Seiten

Ledereinband mit Goldprägung

Weiss [1251], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 303,00 Euro

Deutlich weniger protzig als die Erstausgabe des Hamburgischen Kochbuchs präsentiert sich das Bremische Kochbuch. Um Probleme mit dem Verständnis zu vermeiden und das Kochbuch einem größeren Publikum zugänglich zu machen wurden hier regionale Begriffe mit bekannten deutschen Begriffen erklärt. So heißen in Bremen Klöße („Klümpen“) wohl „Bälle“ und waren so beliebt, dass ihnen gleich ein ganzes Kapitel gewidmet wurde. Auch eine Umrechnungstabelle wurde mit abgedruckt, wobei mir die Maße in die hier umgerechnet wird (Last und Spind) auch unbekannt waren.

 

Hamburgisches Kochbuch

Autor unbekannt, 1788, Erstausgabe, 864 Seiten

Halbledereinband auf fünf Bünden

Weiss [1422], Quelle: ZVAB, Preis: 450,00 Euro

Prächtige Erstausgabe, die nichts mit dem zwei Einträge darunter stehenden „neuen“ Hamburgischen Kochbuch zu tun hat. Um das Buch zu finanzieren behalf man sich der „Pränumeration“. Dabei wird ein noch nicht gedrucktes Werk über Dritte vorfinanziert, die dann beim Kauf einen Rabatt erhalten und zudem namentlich im Buch genannt werden. Heute würde man das wohl Crowdfunding nennen, was wieder einmal zeigt: Geschichte wiederholt sich, sie wechselt lediglich die Namen. Dies sieht man auch an der Rechtschreibung: So hielt eine Vorbesitzerin in einem eingelegten Zettel für sich fest, dass Rhum (heute Rum) dort „Ruhm“ heißt und Rahm „Rohm“

 

Kochbuch

Fellger, Friederike, 1868, 2. Auflage, 455 Seiten

Halbledereinband mit Goldprägung

Weiss [1029], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 10,00 Euro

Es hat über 300 antiquarische Kochbücher in meiner Sammlung gebraucht, bis das erste Mal ein Werk „Kochbuch“ heißt. Nicht neues Kochbuch, nicht Wiener Kochbuch, nicht Kochbuch für Arme, Kranke, Bürger oder alle Stände. Nein, einfach nur Kochbuch. Das Buch beginnt nicht wie zur Zeit üblich mit Hygienebelehrungen sondern konzentriert sich direkt auf das Wesentliche: Die Kücheneinrichtung. Auch hat das Kochbuch Rezepte für Salate, die um die Zeit sehr selten waren, da zumeist Gemüse als Beilage gereicht wurde. Lattich steht dabei synonym für die meisten Blattsalate wie Kopfsalat.

 

Neues Hamburgisches Kochbuch

Prinz, Therese, 1857(?), 4. Auflage, 645 Seiten

Leineneinband mit Goldprägung

Weiss [3823], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 56,81 Euro

Das Kochbuch ist nicht datiert und auch [Weiss] besitzt diese Auflage nicht sondern lediglich die dritte von 1852 und die fünfte von 1861. Bemerkenswert finde ich auf dem Titelblatt das Wort „selbstständig“. Offensichtlich ging dieses Wort zweimal durch die Rechtschreibreform, denn zwischenzeitlich hieß es „selbständig“, mittlerweile aber wieder „selbstständig“. Das erste Kapitel erklärt häufig genutzte Fachbegriffe, die inzwischen teilweise auch wieder aus der Mode sind, wie etwa die Zubereitung „A la Daube“, einer Art Terrine. Über den Aufkleber einer Buchbinderei in St. Pauli versuche ich mich gerade zu informieren.

 

Vollständig-neuvermehrtes Nürnbergisches Kochbuch

Endter, Susanne Maria, 1702, 2. Auflage, 1098 Seiten

Ledereinband auf drei Bünden

Weiss [922], Quelle: ebay-Sofortkauf, Preis: 1.500,00 Euro

Eines der großen Kochbücher des Barock und zurecht ein Neuzugang in den besonderen Stücken. Das Buch ist in einem für sein Alter phantastischen Zustand und insbesondere die beiden großen Kupfer von der „Aufhawung oder Zertheilung“ eines Ochsen und eines Kalbs sind makellos. Mit weit über 1000 Seiten und seiner Größe von 8 Oktav ist es eine beeindruckende Erscheinung und ein Schmuckstück in jedem Bücherregal. Mit dem Diaeteticon und dem Brandenburgischen Kochbuch gehört es zu den neuen Highlights meiner Sammlung und ich habe ihm hier ausnahmsweise sechs Bilder gewidmet.

Mai 2018

3 Ausgaben Supp‘, Gemüs‘ und Fleisch

Dähnhardt, Emma, 1856, 1866, 1901, 8./14./51. Auflage

Leineneinbände, davon einer neuwertig

Weiss [3781], Quelle: ebay und ZVAB, Preis: insg. 90,50 Euro

Man kann einfach als Hesse nicht genug Exemplare von Supp‘, Gemüs‘ und Fleisch haben. Mittlerweile schmückt das Buch eine komplette Reihe meines Bücherregals. Die große Beliebtheit des Buches zeigt sich daran, dass es über einen Zeitraum von 35 Jahren mehr als einmal pro Jahr neu aufgelegt wurde. An Umfang und Format des Buches hat sich derweil wenig geändert und auch die Titelblätter ähneln sich.

 

Schwedisches Koch= und Haushaltungs=Buch

Warg, Christina, 1805, 4. Auflage, 745 Seiten

Neuer marmorierter Pappeinband

Weiss [4073], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 199,00 Euro

Von diesem Buch hatte ich vor einiger Zeit bereits die schwedische Original-Ausgabe gekauft. 1790 war meine Ausgabe von „Hjelpreda i Hushalningen“ bereits die Neunte, die deutsche Übersetzung erschien erstmals 1772. Witzigerweise referenziert die vierte deutsche Auflage auf meine schwedische neunte Auflage. Um das Buch in Deutschland nutzbar zu machen erklärt eine Umrechnungstabelle die schwedischen Maßeinheiten. Das Buch kennt noch kein Rezept für die so beliebten schwedischen Hackbällchen, dafür aber allerlei Arten von „Hâché“, hier von Vögeln, womit vermutlich Singvögel gemeint sind.

 

Allgemeines Koch-Buch für den bürgerlichen Haushalt

Schreiber, Fritzi, 1897, Erstausgabe, 318 Seiten

Leineneinband mit fehlendem Buchrücken

Weiss [3489], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 4,00 Euro

Wie lässt sich der Wert eines Buches beziffern? Für dieses Werk habe ich ganze 4 Euro bezahlt und halte dafür eine Erstausgabe aus der Gründerzeit in den Händen. Es ist ein einfaches Kochbuch, ohne Bilder und auf dickem Papier. Das Vorsatz zeigt ein florales Jugendstilmotiv, das man wohl auch als Tapete nutzen könnte. Dennoch ist der Preis eigentlich unerklärlich, für 4 Euro würde ich vermutlich kein neuwertiges Kochbuch mit über 300 Seiten kaufen können. Bei Autor Fritzi Schreiber handelt es sich im übrigen nicht um einen Mann sondern um eine Frau, wie man an „Die Herausgeberin“ am Ende des Vorworts sieht.

 

 Gründliches Kochbuch

Autor unbekannt, 1835, 7. Auflage, 145 Seiten

Marmorierter Pappeinband

Weiss [1338], Quelle: ZVAB, Preis: 40,00 Euro

Schönes kleines Kochbuch aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Typisch für die Zeit ist der marmorierte Pappeinband. Das Buch selbst ist inhaltlich eher schlicht, es fehlen Kupfer und einleitende Worte und man reduziert sich auf das Wesentliche: Die Rezepte. Hervorheben möchte ich ein Rezept für Ravioli („Raffiolen“), die sowohl in einer vegetarischen als auch in einer Hackfleisch-Variante zubereitet werden. Freilich ist es nicht das erste Rezept für Ravioli: Martino de Rossi beschreibt sie bereits im 15. Jahrhundert.

April 2018

Die Köchin ohne Fehl und Tadel

Rosamunda, 1840, 2. Auflage, 208 Seiten

Pappeinband mit Titelaufdruck

Weiss [3244], Quelle: ZVAB, Preis: 45,00 Euro

Das Buch von „Rosamunda“ trägt den Slogan „Populär! practisch! wohlfeil!“, wobei die Betonung eher auf „wohlfeil“, also günstig, liegt. Das Buch ist vergleichsweise klein und unscheinbar und auch im Tranchier-Teil hat man sich auf Textbeschreibungen reduziert und keine teuren Bilder drucken lassen. Die Rückseite des Einbandes zeigt weitere Bücher aus dem Verlag von Josef Lindauer, so etwa das Koch- und Konfektbuch „aus dem Nachlasse einer berühmten Gräfin“.

 

Das wahre deutsche Bürger-Kochbuch

Weber, Elise Agnes Laura, 1886, 25. Auflage, 254 Seiten

Halbleineneinband mit Titelaufdruck

Weiss [4089], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 16,50 Euro

Die 25. und damit „Jubel-Ausgabe“ des Buches, was jedoch nicht der Grund für die 25 Illustrationen ist, denn laut [Weiss] schmücken diese auch schon die 21. Auflage von 1870. Der wahre Knaller aber ist die Einleitung, die ich einfach mal umkommentiert jedem Kochbuchfreund ans Herz legen möchte:

„Dieses Kochbuch nützt Ihnen nichts, wollten Sie es nur in den Bücherschrank stellen. Es muss solches recht tüchtig durchstudirt werden und dann stets in der Küche seinen Platz haben, wenn es auch Fettflecke bekommt“

März 2018

Supp‘, Gemüs‘ und Fleisch

Dähnhardt, Emma, 1869, 16. Auflage, 398 Seiten

Halbledereinband

Weiss [3781], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 23,41 Euro

Mit der Erfindung des Schnellpressendrucks zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren Bücher immer mehr Massenware geworden. Gustav Georg Lange war zu dieser Zeit als Verleger bereits so erfolgreich, dass er Bücher auch bei anderen Druckereien in Auftrag gab, so wie hier bei F. G. Schmitt. Das Buch trägt die Signatur von Auguste Scharff und der Handschrift nach zu urteilen würde ich annehmen, dass sie die erste Besitzerin des Buches war.

 

Supp‘, Gemüs‘ und Fleisch

Wolff-Küchler, Lina, 1897, 50. Auflage, 400 Seiten

Leineneinband mit Prägung

Weiss [4288], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 6,91 Euro

Eine spätere Ausgabe des Buches, hier bereits mit Verlagseinband. Sowohl der Buchrücken als auch der Buchdeckel tragen den Titel in einer typischen Jugendstil-Schrift und die angedeuteten Schließen und der Rotschnitt machen das Buch insgesamt sehr dekorativ. Mit dem Verlagseinband hatte auch die Werbung Einzug erhalten in die Druckerei. So findet man auf dem Vorsatz Werbung für die Darmstädter Filiale der Weberei und Wäsche-Fabrik H. & F. Becker aus Bielefeld. Im Gebäude in bester Darmstädter Lage befindet sich auch heute ein Traditionsunternehmen, das Schuhhaus Dielmann.

Februar 2018

Neues und bewährtes Illustriertes Kochbuch

Davithis, H., 1882, Erstausgabe, 176 Seiten

Halbleineneinband mit aufgeklebtem Titelblatt

Weiss [717], Quelle: ZVAB, Preis: 18,00 Euro

Am 21. Oktober hatte ich bereits das Buch von H. Davitis gekauft, hier nun das Buch von H. Davithis. Enßlin und Laiblin schienen sich Ende des 19. Jahrhunderts auf Plagiate spezialisiert zu haben: So hatte man schon 1890 ein Kuchbuch von „Charlotte Löfflerin“ in Anlehnung an die zweite große deutsche Kochbuchautorin, Friederike Luise Löffler, herausgegeben. Hier hat man sich aber im Gegensatz zum Buch von Davitis etwas mehr Mühe bei der Ausgestaltung gegeben und das Buch zieren einige Abbildungen von Tischaufsätzen, Nutztieren oder Gemüsen. Auch der Einband ist recht hübsch, so dass Vorbesitzer Gustav Schmalfuß offenbar besorgt war, dass man es ihm stehlen könnte, so oft wie er seinen Namen auf den Vorsatz gestempelt hat.

 

Mecklenburgisches Kochbuch

Ritzerow, Frieda, 1868, Erstausgabe, 432 Seiten

Halbledereinband

Weiss [3213], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 33,50 Euro

Es scheint als hätte ich hier nicht aufgepasst. Ein kleiner Blick in den Gesamtkatalog verrät: Diese Erstausgabe habe ich schon, dazu in einem deutlich besseren Zustand. Nunja, immerhin war der Preis vergleichsweise niedrig und der lose Einband gibt einen Einblick in die Buchbinder-Kunst der Zeit. Auch das Rezept auf der letzten Buchseite könnte aus der Zeit stammen. Leider kann ich hier kaum etwas lesen, vielleicht kann mir jemand behilflich sein der Sütterlin beherrscht?

 

Supp‘, Gemüs‘ und Fleisch

Dähnhardt, Emma, 1863, 12. Auflage, 398 Seiten

Marmorierter Halbledereinband

Weiss [3781], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 33,50 Euro

Das erste aus einer Serie von Supp‘, Gemüs‘ und Fleisch Neuzugängen. Ich verliebe mich immer mehr in dieses Stück Heimatgeschichte. Diese Ausgabe ziert bereits das gestochene Frontispiz und auch Bindung und Erhaltungszustand sind ansprechend für ein Buch das über 150 Jahre alt ist. Als Fundstücke im Buch fanden sich Handschriften und Zeitungsausschnitte mit Rezepten verschiedener Zeiten, darunter allein drei Rezepte für Waffeln.

Januar 2018

Allgemein bewährtes Wiener Kochbuch

Zenker, F. G., 1828, 34. Auflage, 480 Seiten

Marmorierter Pappeinband mit Rückenschild

Weiss [1180], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 49,90 Euro

Das Wiener Kochbuch erschien 1828 bereits in der 34. Auflage und alle Auflagen scheinen beliebt und gesucht zu sein, zumindest wenn man dies anhand der Verkaufspreise beurteilt. Das gestochene Frontispiz zeigt eine Küchenszene, die jedoch wenig aussagekräftig ist. So könnte die Frau im Hintergrund auch eine Näherin sein und die Dame im Vordergrund gerade Blumen pflücken. Aussagekräftiger sind da schon die Tischaufsätze im hinteren Teil des Buches.

 

Archiv weiblicher Hauptkenntnisse

Geisler, Adam Friedrich, 1790, Vierter Jahrgang, 782 Seiten

Marmorierter Pappeinband mit Rückenschild

Weiss [1197], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 19,01 Euro

Ein sehr günstiger Einkauf, offenbar hat hier niemand vermutet, dass es sich zumindest in Teilen auch um ein Kochbuch handelt. Das Archiv weiblicher Hauptkenntnisse ist wohl die erste deutsche Hausfrauenzeitschrift, quasi ein Vorläufer der Illustrierten, und setzt sich mit allem auseinander was Frauen der Zeit wissen sollten und bewegt hat. Geschrieben von Frauen, für Frauen. Das Frontispiz zeigt Friederike, „die gute Tochter“, der das erste Kapitel gewidmet ist. Ein weiterer Kupferstich zeigt scheinbar eine romantische Szene auf einer Doppelseite: Ein Centerfold.

 

Vollständiges und von neuem vermehrtes Trincir-Buch

Harsdörffer, Georg Philipp, 1657, Erstausgabe, 379 Seiten

Pergamenteinband, Querformat

Weiss [1450], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 800,00 Euro

Harsdörffer war ein bekannter Autor und Dichter des Barock und ihm wird unter anderem der Text der ersten deutschen Oper zugeschrieben. Sein hier vorliegendes Tranchier-Buch besteht aus insgesamt fünf Teilen. Bemerkenswert ist das Querformat des Buches und die reiche Anzahl an Kupfern die nicht nur die Tranchier-Kunst bebildern sondern beispielsweise auch das Falten von Servietten, das Dekorieren von Obst und Gemüse und die dafür notwendigen Werkzeuge. Auf Grund des Alters, der Bebilderung und des Formates habe ich es auch in die „besonderen Stücke“ aufgenommen.

 

Regensburger Kochbuch

Schandri, Marie, 1867, Erstausgabe, 368 Seiten

Marmorierter Halbledereinband

Weiss [3353], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 55,00 Euro

Liebe ebayer, vielen Dank für eure schlechten Artikelbeschreibungen! Marie Schandris Regensburger Kochbuch hatte ich bereits in einigen späteren Auflagen und die Erstausgabe stand ganz oben auf meiner Liste. Bei zvab hätte ich sie für 600 Euro kaufen können, hier nun dank schlechter Artikelbeschreibung („Regensburger Kochbuch von 1867“, kein weiterer Text) für schmale 55 Euro. Das Buch ist in gutem Zustand und hinten sind viele handschriftliche Seiten mit Rezepten der Zeit eingebunden worden. Das Buch ziert zudem ein interessantes Exlibris, das fast wie ein eigenes Logo aussieht.

2017

Neuestes Kochbuch

Davitis, H., 1896, Erstausgabe unter diesem Namen, 96 Seiten

Broschur

Weiss [719], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 5,00 Euro

Auf Grund des großen Erfolges der Kochbücher von Henriette Davidis, versuchten einige Verlage mit Pseudonymen wie Davithis und Davitis auf den Zug aufzuspringen. Das Buch selbst ist billig hergestellt und auch mit der Korrektur von Rechtschreibfehlern nahm man es offenbar nicht so genau. So wird Bouillon gleich zwei mal falschgeschrieben: Im Text zunächst als „Beuillon“ und später im Inhaltsverzeichnis als „Bouillion“.

 

Illustriertes Muster-Kochbuch

Kraft, Charlotte, 1899, 6. Auflage, 831 Seiten

Grüner Leineneinband mit Goldprägung und Original-Schuber

Weiss [2088], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 16,51

Das Besondere an dieser Auktion war eindeutig der Original-Schuber. Diese Schutzhüllen gibt es nur selten bei Kochbüchern aus der Zeit und zumeist werden sie hoch gehandelt, insbesondere dann wenn sie auch bebildert sind. Dieser Schuber war wohl eher eine Art Versandkarton und dennoch ist er eine Rarität. Das Buch selbst ist ein wahres Kompendium des Haushaltens und geht weit über reine Kochrezepte hinaus. So wird beispielsweise die Herstellung des zur damaligen Zeit in Europa weitestgehend unbekannten Kefirs beschrieben. Im Buch fanden sich Menükarten aus dem Jahre 1913. Das Geschäft „Theissinger Frankfurt“ wurde leider vor einigen Jahren aufgegeben, aber ich versuche dennoch etwas über die Herkunft der Karten herauszufinden.

 

Praktisches Kochbuch für bürgerliche Haushaltungen

Pelz, Henriette, 1865, 5. Auflage, 223 Seiten

Grüner Leineneinband mit Goldprägungen

Weiss [2955], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 69,99 Euro

Der Einband dieses Buches irritiert mich. Das florale Motiv in Gold spricht eindeutig für die Zeit des Jugendstils, das Buch ist allerdings 1865, also viel zu früh für den Jugendstil erschienen. Wurde es neu gebunden? In jedem Fall wurde es offenbar auch genutzt, denn auf das Vorsatz wurde eine Umrechnungstabelle geklebt, sowohl für Quart in Liter als auch für Loth in Gramm. Ich hoffe allerdings, dass man mit dieser Umrechnungstabelle nicht gekocht hat, denn ein Loth sind nach dem in Preußen am 27. Mai 1856 erlassenen Gesetz eines allgemeinen Landes-Gewichts nicht 160 sondern nur gut 16 Gramm (1/30 Pfund).

 

Ausführliches bürgerliches Kochbuch für die deutsche Haushaltung

Weigand, Antonie, 1897, 2. Auflage, 462 Seiten

Blauer Leineneinband mit verblasstem Motiv

Weiss [4120], Quelle: Bibliotheca Culinaria, Preis: 62,00 Euro

Dieses Buch wurde wohl häufig benutzt, der Einband ist berieben und an vielen Stellen ist das ehemals blaue Jugendstilmotiv verblasst und kaum noch zu erkennen. Ein Spiegel der Zeit ist die Vorratslagerung. Auch andere Bücher machen auf den Nutzen und die Weiterentwicklung von Konserven und Dörrgemüse aufmerksam. So schreibt etwa Busley in „Die gesundheitlichen Einrichtungen der modernen Dampfschiffe“ 1897: „Nebenbei ist die Herstellung von Konserven und Dörrgemüsen auf einer so hohen Stufe der Vollkommenheit und Billigkeit angekommen, dass das Salzfleisch und die Hülsenfrüchte – die frühere fast beständige Nahrung der Schiffsbesatzungen – sehr in den Hintergrund getreten sind.“. Am Ende des Buches: Werbung für Liebig’s Fleisch-Extract. So oft wie ich diese Werbung zeige sollte ich vielleicht langsam darüber nachdenken, Tantiemen zu verlangen.

 

Koch-ABC der bürgerlichen Küche

Ludolfs, Maria, 1895, Erstausgabe, 320 Seiten

Halbledereinband

Weiss [2395], Quelle: Bibliotheca Culinaria, Preis: 18,00 Euro

Nach der industriellen Revolution wurde der typische Haushalt und das Familienbild dem das wir heute kennen etwas ähnlicher. Immer weniger Haushalte beschäftigten Hausmädchen oder Angestellte. Gekocht wurde stattdessen in der Familie. Entsprechend gab es zu dieser Zeit zunehmend Kochbücher für kleinere Haushaltungen, zum Beispiel drei Personen. Maria Ludolfs schrieb dieses Buch für ihre Tochter, die wohl kürzlich geheiratet hat und – nach der Hochzeitsreise in die sächsische Schweiz – nun erstmals zuhause auszieht und ein Kochbuch benötigt. Dabei fehlt es auch an Themen nicht, die man heute eher als untypisch für ein Kochbuch bezeichnen würde, zum Beispiel wie man einen Herd benutzt.

 

Bürgerliches Kochbuch

Ewald, Marie, 1874, Erstausgabe unter diesem Namen, 164 Seiten

Halbleineneinband

Weiss [993], Quelle: Bibliotheca Culinaria, Preis: 45,00 Euro

Eines der vier Bücher, das ich beim Kurzbesuch in der Bibliotheca Culinaria kaufen konnte. Marie Ewalds bürgerliches Kochbuch ist zwar nichts besonderes, aber wie jedes Kochbuch ein Spiegel der Zeit in der es entstanden ist. Um einen Eindruck zu bekommen habe ich mich daher bei diesem Buch entschieden, einfach ein paar Rezepte zu zeigen: Rindfleisch in Bier gedämpft, Wiener Braten, Beefsteaks, Häringssalat, Kartoffelsalat und Gurkensalat.

 

Marie Werner. Die mutterlose Jungfrau

Späth, Charlotte, 1851, 2. Auflage, 549 Seiten

Halbledereinband mit Rückenschild und Goldschnitt

Weiss [3642], Quelle: Bibliotheca Culinaria, Preis: 80,00 Euro

Charlotte Späth scheint ein Faible für dramatische Namen zu haben. Nach dem „armen Martin“ liegt hier nun „die mutterlose Jungfrau“ vor. Der Lebensratgeber soll Mädchen auf das „wahre Leben“ vorbereiten: Haushaltung, Küche, Gartenpflege. Als Anhang ist ein Kochbuch angebunden für sechs Personen. Es wird wohl erst dann von Nutzen sein, wenn die Jungfrau auch eine Familie gegründet hat und der Haushalt entsprechend groß ist oder das Mädchen eine Anstellung als Haushälterin findet.

 

Beruf der Jungfrau

Davidis, Henriette, 1876, 6. Auflage, 283 Seiten

Leineneinband mit Goldprägungen, Weiss [679]

Quelle: Flohmarkt an der Buchmesse, Preis: 20,00 Euro

Eigentlich wollte ich an diesem Donnerstag auf die Antiquariatsmesse gehen. Dass man an den Fachbesuchertagen der Buchmesse auch als Privatperson auf die Antiquariatsmesse gehen kann war mir klar. Unklar war mir hingegen, dass man den Fachbesucherpreis von unverschämten 68 Euro zahlen muss. Zähneknirschend zog ich ab, nur um zu sehen dass vor der Festhalle ein riesiger Antikbuchflohmarkt aufgebaut war. Dort konnte ich neben vielen tollen Liebigbildern auch dieses Kleinod kaufen. Goldschnitt und Prägung machen das Buch sehr attraktiv und die eigens im Buch vorhandene Widmungs-Seite lässt darauf schließen, dass es vom Verlag wohl vor allem als Geschenk gedacht war.

 

Kochbuch für Haushaltungen aller Stände

Hauptner, F. V., 1841, 2. Auflage, 860 Seiten

Halbledereinband mit Rückenschild

Weiss [1479], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 9,99 Euro

Hauptners Kochbuch war meine erste Erstausgabe und ist noch heute eines der am schönsten gebundenen Bücher in meiner Sammlung (siehe „Besondere Stücke“). Dass es sich beim hier vorliegenden Buch um die zweite Auflage von Hauptners Kochbuch handelt hatte ich als es bei ebay eingestellt wurde anhand der Bilder sofort erkannt. Der Verkäufer wusste dies wohl nicht und stellte das Buch nach Hinweis durch mich neu ein und bedankte sich sogar in der Artikelbeschreibung. Kaufen wollte das Buch auf Grund des fehlenden Titelblatts aber scheinbar trotzdem niemand und so bekam ich es letztlich zum Einstiegspreis von 9,99 Euro.

 

Ins eigene Heim

Baisch, Amalie, 1891, Erstausgabe, 424 Seiten

Leineneinband mit Goldschnitt

Quelle: ebay-Auktion, Preis: 27,49 Euro

Meine Frau kann sich wohl glücklich schätzen – zumindest wenn es nach Amalie Baisch geht. Im Gegensatz zur Frau des Geschäftsmanns oder der Repräsentantin eines vornehmen Geschlechts muss die Beamtenfrau nicht ständig nach dem neusten, besten streben sondern zum Glück genügt ihr eigenes Wollen und ein fester Grund. Wenn ich mich hier heute in den diversen Neubausiedlungen umsehe, scheint sich daran in den letzten 120 Jahren kaum etwas geändert zu haben. Das Buch selbst ist jedoch wenig bodenständig: Es besticht durch seinen auffälligen Goldschnitt und die reichen Verzierungen auf Einband und Buchrücken

 

Leipziger Koch-Buch

Eger, Susanna,  1723(?), 4.(?) Auflage, 594 Seiten

Pergamenteinband

Weiss [870], Quelle: Privatkauf, Preis: 200,00 Euro

Dieses Buch wurde als „von 1836“ beworben und tatsächlich deutet als einziges ein handschriftlicher Eintrag auf das Alter des Buches hin, da Titelblatt und Zwischentitel fehlen (das Buch beginnt auf Seite 3). Der Pergamenteinband schien mir jedoch eher auf das 18. Jahrhundert hinzudeuten und so beschloss ich, das Buch zu kaufen. Eine kurze Recherche ergab, dass es sich um das Leipziger Koch-Buch handeln muss und durch die Kollation konnte ich auch die Ausgabe eingrenzen. Der Teil des Buches mit dem Titel „die allzeitfertig rechnende Köchin“ ist mit „Adam Riese der Jüngere“ signiert. Adam Ries(e) starb allerding bereits 1559, daher ist unklar wer für diesen Teil des Buches verantwortlich war.

 

Die gute bürgerliche Küche

Rottenhöfer, Johann, 1865, 4. Auflage, 562 Seiten

Marmorierter Halbleineneinband mit Rückenschild

Weiss [3266], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 26,49 Euro

Rottenhöfers Kochbücher galten in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Meilenstein. Erstmals wurden Rezepte aufwendig im Text bebildert (hier zum Beispiel die Herstellung eines Blätterteigs) und Rottenhöfer war in seinen Rezepten auch genauer in den Anweisungen als viele vergleichbare Bücher der Zeit. Deutlich bekannter als seine „gute bürgerliche Küche“ jedoch ist die „Neue vollständige theoretisch-praktische Anweisung in der feinern Kochkunst“ (Weiss [3267]). Rottenhöfers Bücher waren derart begehrt, dass er es sich erlauben konnte, sein Werk bis zur vierten Auflage quasi unverändert zu lassen. Selbst an einem neuen Vorwort wurde gespart.

 

Ich koche für mich allein

Stein, Irmgard von, 1928, Erstausgabe, 88 Seiten

Leinenbroschur

Quelle: ebay-Auktion, Preis: 12,50 Euro

Swen Kernemann-Mohr von der Bibliotheca Culinaria bezeichnete dieses Buch kürzlich als „das wohl traurigste Kochbuch der Welt“. In der Tat richteten sich alte Kochbücher ja meistens an Köchinnen und Haushälterinnen und damit Großhaushalte und die Rezepte waren für 10 Personen oder mehr ausgelegt. Erst später kamen dann auch Kochbücher für z.B. drei Personen oder wie in diesem Fall für eine Person. Der Umschlag deutet darauf hin, dass auch alleine kochen Spaß macht. Etwas schlecht bekommen scheint der Autorin das Single-Dasein aber trotzdem: Ihr Buch beginnt mit einer vertraulichen Aussprache zwischen ihr und ihrem Kochtopf.

 

Der Dresdner Koch

Baumann, Johann Friedrich, 1831, Erstausgabe, 462 Seiten

Halbledereinband mit beschädigtem Rückenschild und Goldprägung

Weiss [258], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 135,00 Euro

Baumann scheint umtriebig gewesen zu sein was die Vermarktung seines Buches angeht. Ich hatte in meinem Besitz bereits das 1844 erschienene Werk „Die Dresdner Köchin“. Der hier vorliegende erste Teil des Dresdner Kochs ist jedoch umfangreicher als das Folgewerk und zu jedem Gericht werden der deutsche und der französische Name genannt. Der Vergleich, den Baumann in seinem Vorwort zwischen deutscher und französischer Küche zieht, ist heute sicher auch noch angebracht: Deutsche können Brot, Franzosen alles andere. Wie oft bei Kochbüchern hat die Vorbesitzerin ihren Namen in das Buch geschrieben: Martha Göhring. Vielleicht kann jemand mehr über sie in Erfahrung bringen?

 2016

Anna Dorn’s illustrirtes Muster-Kochbuch

Dorn, Anna, 1853, 8. Auflage, 523 + 45 Seiten

Bebilderter Pappeinband

Weiss [796], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 30,00 Euro

Wenig ist bekannt über Anna Dorn, obwohl ihre acht Kochbücher teils hohe Auflagen erzielten. Zudem werden ihren Kochbüchern die Einführung einiger bekannter Gerichte in die österreichische Küche zugeschrieben, etwa Gulasch und Powidl. Der Einband des Buches zeigt ein Frauenbild, eventuell handelt es sich hier um die Autorin. Als emanzipiert und selbstbewusst zeigt sich Dorn im Vorwort ihres Buches: Nicht nur die Feder und das Schwert, sondern auch der Kochlöffel hat in die Geschicke der Welt eingegriffen. Gespart wurde hingegen bei der Buchbindung: Das Kapital wurde mit bereits bedrucktem Papier abgeklebt.

 

Supp‘, Gemüs‘ und Fleisch

Dähnhardt, Emma, 1882, Auflage 119. bis 124. Tsd.,

428 Seiten, Halbledereinband mit Rückenprägung

Weiss [3781], Quelle: Privatkauf, Preis: 40,00 Euro

Gelegentlich bekomme ich von einigen Händlern die mich kennen Bücher angeboten. Hier wurde mir von Alexander Diroll ein Darmstädter Kochbuch angepriesen, dem leider das Titelblatt fehlt. Normalerweise lehne ich solche Bücher ab, aber hier war zumindest der Anreiz groß herauszufinden, um welches Buch es sich genau handelt. Das gestochene Frontispiz war dabei schon eindeutig, es muss eine Ausgabe von Dähnhardts „Supp‘, Gemüs‘ und Fleisch“ sein. Leider fand sich im gesamten Buch keine Jahreszahl und auch im Vorwort wurde lediglich darauf verwiesen, dass bereits 118.000 Exemplare verkauft seien. Mit [Weiss] und dieser Information konnten wir dann das Erscheinungsjahr auf die 1880er  Jahre eingrenzen und auch der Einband und der Erhaltungszustand stützen diese Theorie. Ich werde demnächst versuchen, das Jahr und die Auflage noch genauer einzugrenzen, aber diese Forschungsarbeit wird etwas Zeit benötigen. Auf Grund der vielen schönen Fundstücke im Buch (z.B. ein Morse-Alphabet in Sütterlin-Schrift) und der Geheimnisse um die genaue Auflage habe ich mich dann sogar entschieden, es zu kaufen.

Update: Dank Günter Hochgrebe (www.antiquariat-hochgrebe.de) und meinem Schwiegervater Willi Härtel konnte ich das Buch nun genau datieren. Es handelt sich um die Ausgabe „119. bis 124. Tsd.“ aus dem Jahr 1882. Ich lag also mit meiner ursprünglichen Schätzung gar nicht schlecht.

 

Praktisches Kochbuch für die gewöhnliche und feinere Küche

Davidis, Henriette, 1854, 6. Auflage, 619 Seiten

Marmorierter Pappeinband

Weiss [691], Quelle: ZVAB, Preis: 77,50 Euro

Henriette Davidis (1801 – 1876) gilt wohl als die bekannteste Kochbuchautorin Deutschlands. Im Ruhrgebiet gibt es sogar ein Davidis-Museum (http://www.henriette-davidis-museum.de) und in Dortmund befindet sich die „Henriette-Davidis-Gesellschaft e.V. – Verein zur Förderung des Deutschen Kochbuchmuseums“. Davidis Kochbücher erschienen posthum bis 1990 und wurden immer wieder von anderen Autorinnen nachbearbeitet, zum Beispiel von Luise Holle. Ich hatte vor diesem Exemplar bereits mehrere Davidis-Bücher und unter anderem befeuerte die Ausgabe von 1898, die bei meinen Eltern im Schrank lag, meine Sammelleidenschaft. Seither taste ich mich an die Erstausgabe heran und bin nun bei der 6. Auflage angekommen.

 

Die in ihrer Kunst vortrefflich geübte Köchin

Endter, Susanna Maria, 1734, Erstausgabe unter diesem Titel

1084 Seiten, Pergamenteinband

Weiss [924], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 400,00 Euro

In diesem Buch fehlen 116 der 1084 Seiten und das gestochene Frontispiz weshalb ich es eigentlich als Kaufobjekt ausgeschlossen hatte. Dennoch kam mir der Verlagsname „Endter“ bekannt vor, sodass ich das Buch bei [Weiss] nachschlug und siehe da: Es ist die vierte Ausgabe des Nürnbergischen Kochbuchs, besser bekannt als „Der aus dem Parnasso ehemals entlauffenen vortrefflichen Köchin (…) in grosser Geheim gehalten gewesene Bemerck-Zettul“. Somit ist es eines der großen fünf Kochbücher des Barock und wurde plötzlich zum Pflichtkauf. Den fehlenden Seiten ist vermutlich auch der vergleichsweise niedrige Preis geschuldet. Die Erstausgabe des Werkes unter dem „richtigen“ Titel kostet bei ZVAB 2.500 Euro.

 

Der vorsichtige und nach heutigem Geschmacke wohlerfahrne Speismeister

Schreger, Odilo, 1778, Erstausgabe unter diesem Titel, 484 Seiten

Marmorierter Pappeinband, vermutlich Anfang 19. Jahrhundert

Weiss [3484], Quelle: ZVAB, Preis: 370,00 Euro

Abgesehen von einigen wenigen Hamsterkäufen zu Beginn der Sammelleidenschaft versuche ich doppelte Bücher zu vermeiden, aber das zentrale Werk meiner Sammlung war hier einfach eine Ausnahme. Ich schaue ca. alle zwei Wochen bei ZVAB nach Neuerscheinungen und diesmal war zu meinem Erstaunen der Speismeister dabei. Die hier vorliegende Ausgabe ist zwar ein paar Jahrzehnte später neu gebunden worden und das gestochene Frontispiz fehlt leider, trotzdem musste ich mir das Buch sichern. Da das „Original“ insbesondere am ledernen Einband etwas instabil ist, kann ich dieses Exemplar nun guten Gewissens auch aufgeklappt in der Wohnung ausstellen. Und wenn Sie jemandem ein „sonderheitliches Compliment“ zum Geburtstag machen wollen, wie wäre es mit diesem?

 

Praktisches Kochbuch für alle Stände

Weiss, Auguste; Marticke, Ernst, 1854, Erstausgabe, 499 Seiten

Pappeinband mit Goldprägung und Relief

Weiss [4137], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 90,00 Euro

Schöne Erstausgabe aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Dem Titelblatt fehlt eine Jahresangabe, [Weiss] datiert das Buch auf 1854. Das gestochene Frontispiz zeigt eine Küche der Zeit, die damals offensichtlich gleichzeitig auch Vorratskammer war. Auch die Teller würde man heutzutage vermutlich nicht mehr offen stehend in der Küche lagern. Die „Regeln bei dem Einkauf des Fleisches“ sollte man allerdings auch jetzt noch beherzigen. Der Verlagsort Glogau liegt übrigens in Niederschlesien (Polen) und heißt heute Głogów.

 

Die wohlunterrichtete und sich selbst lehrende Köchin

Klarin, Elisabeth, 1831, 3. Auflage, 440 Seiten

Halbledereinband mit Goldprägung

Weiss [1889], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 169,00 Euro

Dieses Buch ist vergleichsweise klein (Kl.-8°), besticht aber durch den halbledernen Einband mit Rückenschild, Reliefs und Vergoldungen. Das Buch richtet sich explizit auch an Anfängerinnnen im Kochen („ohne alle Vorkenntnisse“). Das gestochene Frontispiz zeigt eine Küche mit einigen absonderlich aussehenden Gerätschaften, die allerdings mit Nummern versehen sind und im Buch erklärt werden. So ist der Herd beispielsweise ein „Sparheerd“ in dem man „noch nicht die Hälfte so viel Holz verbraucht“. Dieser hat allerdings auch seinen Preis: Mit drei Töpfen und dem Bratofen werden 33 Gulden oder 18 Thaler fällig. Essen zum Mitnehmen für ein Picknick: „Die Jagdpastete auf Reisen“.

 

Konvolut von 5 Liebig-Sammelkarten und einem Kochbuch

Autor unbekannt, 1895, Erstausgabe, 64 Seiten

Pappeinband mit Jugendstilmotiven

Weiss [2309], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 21,50 Euro

Erfreuen sich heute Fußball-Bilder und Trading Card Games großer Beliebtheit, sammelte man Liebigbilder bereits seit 1875. Die Sammelkarten erschienen in Serien von je 6 Bildern zu einem Thema. In diesem Konvolut werden verschiedene Themen dargestellt, etwa „Die neun Musen“ (1911) oder „Scherz im Sport“ (1929). Das ebenfalls ersteigerte Kochbuch spielt bestenfalls eine Nebenrolle, zumal ich es bereits identisch im Konvolut vom 30. Juni gekauft hatte. Mein Interesse galt hier tatsächlich den Bildern. Vielleicht eröffne ich mir mit den Sammelkarten ein zweites Standbein.

 

Neues Berner Kochbuch

Rytz, L., 1843, 4. Auflage, 384 Seiten

Marmorierter Pappeinband mit Rückenschild

Weiss [3303], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 34,50 Euro

Dieses Kochbuch hatte ich bereits in der späteren sechsten Auflage, ihm aber bisher keine große Beachtung geschenkt. Es wartet jedoch mit einigen interessanten Besonderheiten auf. So sollte das Buch offensichtlich nicht nur in der Schweiz vermarktet werden, denn vorangestellt ist eine Übersetzung der schweizerischen in die deutschen Begriff. Gut, was ein „Oefeli“ ist kann man noch erahnen aber bei Kiefel, Kölm und Nidlen müssten die meisten vermutlich passen. Bemerkenswert sind auch die Rezepte für Müsli. Laut wikipedia wurde der Begriff im heutigen Sinne erst von Bircher-Benner um 1900 geprägt, daher nehme ich an, dass es sich beim Plattenmüsli einfach um eine Verniedlichung des Wortes Mus handelt. Wer weiß mehr?

 

Grosse und kleine Hausstandssorgen besprochen und hoffentlich erleichtert

Frau Anneliese, 1900, Erstausgabe, 129 Seiten

Jugendstileinband mit Goldprägung, mit Schutzumschlag

Weiss [143], Quelle: Antiquariat Antiquarius, Preis: 12,00 Euro

Dieses kleine Buch war eines von drei Einkäufen im Antiquariat und Cafe „Antiquarius“ in Bonn. Ein Besuch dort lohnt sich, die hohen Räume sind bis zur Decke gefüllt mit Büchern aller Themenbereiche. Das außergewöhnliche an diesem Werk ist der vorhandene Original-Schutzumschlag, auch wenn der Papp-Einband deutlich schöner ist als der schmucklose Papier-Umschlag. Das Buch widmet die Autorin, deren Vorname (oder Nachname?) unbekannt bleibt, ihrer zwei Jahre jüngeren Cousine. Am Ende befindet sich Werbung für das Lexikon der feinen Sitte – direkt darüber geht es ausgerechnet um Partyunterhaltung.

 

Hygienisches Kochbuch

Beck, Fanny, 1893(?), Erstausgabe(?), 184 Seiten

Jugendstileinband mit Goldprägung

Weiss [274], Quelle: Antiquariat Antiquarius, Preis: 79,00 Euro

Hinter diesem Buch stehen viele Fragezeichen. Auf ZVAB wird es mehrfach angeboten, allerdings in einem schlichteren roten Pappeinband und mit 186 Seiten. Auch bei diesen Ausgaben wurde keine Jahresangabe gemacht. Ich gehe davon aus, dass meine kürzere Ausgabe die Erstausgabe ist, zumal auch das eher schlichte Format der anderen Ausgabe dafür spricht, dass sie erst nach der Blüte des Jugendstils im frühen 20. Jahrhundert erschienen ist. Das Buch selbst spricht sich indirekt für den Vegetarismus aus, indem beispielsweise gezeigt wird, dass Pflanzenkost mehr Kohlenhydrate enthält als Fleisch und Käse.

 

Diätetik und Kochbuch für Magen- und Darmkranke

Biedert, Prof. Dr. Ph. und Langermann, E., 1895, Erstausgabe, 180 Seiten

Beige Broschierung

Weiss [383], Quelle: Antiquariat Antiquarius, Bonn, Preis: 11,00 Euro

Bereits am Ende des 19. Jahrhunderts sollte, wer ein Buch über Gesundheit herausbringt, sich mit einem Doktor- oder noch besser einem Professoren-Titel schmücken. Die Autoren bringen hier beides an den Start, gleichwohl darf an deren Qualifikation und dem Nutzen des Buches gezweifelt werden. Zum einen würde man wohl heute bei einem Magengeschwür nicht auf lauwarmen Rotwein mit Fleischbrühe setzen, zum anderen sind im gleichen Verlag bemerkenswerte Gesundheitsbücher erschienen wie „Der Hypnotismus – seine (…) strafrechtliche Bedeutung und seine Handhabung“.

 

Diaeteticon

Elsholtz, Johann Sigmund, 1682, Erstausgabe, 466 Seiten

Marmorierter Pappeinband, vermutlich aus dem 20. Jahrhundert

Weiss [910], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 519,00 Euro

Als dieses Buch auf ebay zum Startpreis 1 Euro auftauchte, war ich mir sicher, es nicht zu bekommen. Umso unfassbarer ist der Endpreis von 519 Euro, der ein vielfaches unterhalb meiner Schätzung lag. Das Buch selbst fand nur auf Umwegen zu mir – die gesamte Story dazu steht in den „Besonderen Stücken“, wo dieses Werk zweifelsohne Einzug erhalten muss. Zwar fehlen zwei der insgesamt neun Kupfer, aber die Größe des Buches und sein Erhaltungszustand trösten darüber hinweg. Wer weiß, vielleicht sind die beiden fehlenden Kupfer ja eines Tages im Handel. Das Buch selbst befasst sich ähnlich wie der wohlerfahrne Speismeister mit den zu dieser Zeit bekannten Nahrungsmitteln. Im Anhang angebunden ist ein Kochbuch, die gekürzte deutsche Übersetzung von Nicolas de Bonnefons „Délices de la campagne“.

 

Die Küche

Klein, C. F., 1870, 3. Auflage, 508 Seiten

Pappeinband mit Goldprägungen und Reliefs, Weiss [1897]

Quelle: Buchflohmarkt am Kantplatz, Darmstadt, Preis: 60,00 Euro

Nur einmal im Jahr findet der Buch- und Musikflohmarkt auf dem Darmstädter Kantplatz statt. An diesem sonnigen Samstag hatte ich dort bereits eine Verabredung mit einem Händler, der mir dieses Buch mitgebracht hatte. Der Autor übt sich in „Die Küche“ in wenig Bescheidenheit und bezeichnet seine Rezepte als die „neuesten und besten“. Alle Gerichte werden mit deutschen und französischen Namen versehen, vermutlich um in besseren Häusern die französischen Titel nutzen zu können. Auf dem Vorsatz kleben Wohlfahrtsmarken aus dem Jahr 1915.

 

Neues Wohleingerichtetes Koch-Buch

Autor unbekannt, 1753, Erstausgabe, 834 Seiten in zwei Teilen

Halbledereinband mit Fehlstelle am Rücken

Weiss [2777], Quelle: ZVAB, Preis: 350,00 Euro

Am 26. Mai hatte ich spekuliert, dass der „Hof- und Mund-Koch“ kein Plagiat, sondern eine Neuausgabe eines anderen Buches sei – des neuen, wohleingerichteten Koch-Buchs. Dieses Werk ist nun die Erstausgabe des besagten Buches. Trotz der Fehlstelle am Rücken ist das Buch besser erhalten als der Hof- und Mund-Koch. Ich finde sogar, dass der Zustand des Einbandes noch zur Erhabenheit des Buches beiträgt und es im Profil wie ein wunderschönes, sehr altes Buch aussieht.

 

Kleines Konvolut von Liebig-Büchern und Kalendern

Quelle: ebay-Auktion, Preis: 21,08 Euro

Bereits in den „Besonderen Stücken“ bei „Unser täglich Brot“ hatte ich die Werbung für Liebig’s Fleisch-Extract hervorgehoben. Dieses kleine Konvolut von zwei Kochbüchern und zwei Haushaltskalendern kann man getrotst ebenfalls als Werbung bezeichnen. Die Büchlein umfassen den Zeitraum von 1895 bis 1904 und die beiden Kochbücher enthalten teilweise Rezepte von Henriette Davidis. Zur einfacheren Handhabung sind die Kochbücher mit einem Daumenregister versehen. Für alle die jetzt neugierig sind auf Liebig’s Fleisch-Extract: Man kann es bei amazon bestellen und es schmeckt gar nicht mal schlecht.

 

Konvolut von 6 Büchern zum Thema Kochen und Gesundheit

Quelle: ebay-Auktion, Preis: 14,48 Euro

Dieses Konvolut von fünf Büchern passt eigentlich nur am Rande in meine Sammlung, zumal es sich bei dem einzigen Kochbuch um eine vergleichsweise späte Ausgabe der Davidis (von 1935) handelt. Aber ich war neugierig auf das „goldene Kube-Buch“ und auch die Jugendstileinbände der beiden Gesundheitsbücher (im Bild oben links und mitte) fand ich sehr reizvoll. Und sind wir mal ehrlich: Wer kann bei einem Preis von weniger als drei Euro pro Buch schon nein sagen? Sollte ich jemals zu viele Bücher haben um darüber zu schreiben, weiß ich nun zumindest wie mit dem Schreibkrampf umzugehen ist. Sicherlich entspricht er der heute eher geläufigen „Maus-Hand“.

 

Neuestes Stuttgarter Koch-Buch

Schäfer, Louise, 1855, Erstausgabe, 842 Seiten in 2 Teilen

Marmorierter Pappeinband mit Rückenschild

Weiss [3343], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 80,00 Euro

Eine Erstausgabe aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem durchaus fairen Preis. Bemerkenswert ist, dass hier neben der englischen und französischen lediglich die schwäbische Küche genannt wird. Das Buch beginnt mit einer Erläuterung der in der Kochkunst üblichen Fachbegriffe, die in weiten Teilen auch heute noch so genutzt werden. Bei den Rezepten selbst wurde sich dafür weniger Mühe gegeben. So findet man beispielsweise sechs Rezepte für eine Sand-Torte, von denen fünf lediglich mit „Andere Art“ betitelt werden.

 

Die gebildete Hausfrau

Klencke, Hermann, 1871, Erstausgabe, 753 Seiten

Pappeinband mit Goldprägung

Weiss [1932], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 73,88 Euro

Auch wenn sich das Rollenbild seit dem Ende des 19. Jahrhunderts stark verändert hat, lassen sich viele Themen dieses Buches sicherlich auch in die heutige Zeit übertragen. So wird hier unter anderem vermittelt, worauf man beim Einkaufen achten sollte um nicht überteuerte Produkte zu kaufen, oder Waren von schlechter Qualität. Durch die modernen Supermärkte hat sich aber für viele die Anzahl der Händler reduziert, mit denen man sich auseinandersetzen muss. So wird man heute wohl kaum noch einen Milch-, Bier- und Spirituosenhändler aufsuchen. Bemerkenswert ist die chemische Beschreibung der Milch – der Autor war Arzt und auch Herausgeber des Werkes „Chemisches Koch- und Wirtschaftsbuch“. Ein Vorläufer der Molekularküche?

 

Deutsche Küche

Kux, Auguste, 1886, Erstausgabe, 176 Seiten

Pappeinband mit Jugendstilmotiven

Weiss [2198], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 26,50 Euro

Im Zuge der Industrialisierung begannen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts mehr und mehr Verlage, eigene Einbände für Bücher zu entwerfen und herstellen zu lassen. Diese Verlagseinbände sollten den Erkennungswert der Bücher erhöhen und oft wurden, wie auch bei diesem Buch, wesentliche Informationen zu Inhalt und Autor schon auf dem Einband abgedruckt, so dass man das Buch nicht mehr aufschlagen musste um etwas darüber zu erfahren. Auf dem Vorsatz sind Wertmarken eingeklebt die ich bisher nicht zuordnen konnte, ich schätze aber, dass sie eher aus der Mitte des 20. Jahrhunderts stammen.

 

Der Sorgfältige Haus- und Wirthschafts-Verwalter

Autor unbekannt, 1746, 3. Auflage, 708 Seiten

Halblederner Prunkband auf 5 Bünden mit Vergoldungen und Rückenschild

Weiss [3638], Quelle: ZVAB, Preis: 500,00 Euro

Ein prachtvolles Exemplar, das mit seinen Verzierungen und Vergoldungen den Geist des Rokoko wiederspiegelt. Die Hausväterliteratur, zu der auch dieses Werk zählt, kam bereits im 17. Jahrhundert auf und hatte ihre Blütezeit im Barock. Generell handelt es sich dabei um Ratgeber für das alltägliche Leben des Bürgertums: Hauswirtschaft, Jagd, Viehzucht, Imkerei, Brennerei. Kochbücher kamen teilweise erst später als Anhänge zu den Büchern hinzu, so auch bei diesem Werk („bey dieser neuen Auflage Mit einem wohleingerichteten Koch- und Trenchier-Büchlein“). „Küchen-Zettul“ geben Menuvorschläge für das Kochen unter der Woche.

 

Das Diner

Stutzenbacher, Robert, 1895, 2. Auflage, 200 Seiten

Pappeinband mit Vergoldungen und Jugendstilmotiven

Weiss [3773], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 20,50 Euro

Bei diesem Werk zeigt sich besonders die Buchbinder- und Druckerkunst des Jugendstils. Der türkisblaue Pappeinband zeigt ein Motiv der Zeit und ist ebenso reich vergoldet wie das Frontispiz und einige der Menukarten im Buch. Die Menus selbst reichen von einfachen Angelegenheiten wie dem Diner am Deutschen Bäcker-Tag im Berliner Zoo bis hin zur königlichen Mittagstafel der Hochzeit von Prinzessin Margarethe von Preussen. Im Anhang findet man zudem mehrere Seiten mit Platz für eigene Menus.

 

Der die vornehmsten Europäischen Höfe durchwanderte, und ganz neu in der Schweiz angelangte Hof- und Mund-Koch

Autor unbekannt, 1766, 2. Auflage, 835 Seiten

Pappeinband

Weiss [4025], Quelle: Bibliotheca Culinaria

Der Zustand des Buches lässt darauf schließen, dass es wohl häufig genutzt wurde. Auch einen Wasserschaden hat es wohl überstehen müssen. [Weiss] vermutet, dass es sich hier um ein Plagiat handelt und tatsächlich scheint es eine wörtliche Kopie des Buches „Neues wohl eingerichtetes Koch-Buch“ von 1764 zu sein (siehe Online-Ausgabe unter http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/img/?PID=PPN818022051|LOG_0002&physid=PHYS_0006). Da es aber im gleichen Verlag zwei Jahre später erschienen ist, würde ich eher schließen, dass es sich nicht um ein Plagiat handelt sondern um eine Neu-Auflage mit leicht abgeändertem Titel, was im 18. Jahrhundert durchaus nicht unüblich war. Angebunden sind ein Fasten-Kochbuch und ein Tranchier-Buch.

2015

Kochbuch für israelitische Frauen

Wolff, Rebekka, 1901, 11. Auflage, 671 Seiten

Pappeinband mit Goldprägung, versteckt unter schwarzer Folie

Weiss [4284], Quelle: Bibliotheca Culinaria, Preis: 180,00 Euro

Beim stöbern in der Bibliotheca Culinaria fiel mir ein ganz in schwarze Folie gehülltes Buch ins Auge. Ein Blick auf das Titelblatt erklärt das „Versteckspiel“: Es handelt sich um ein Kochbuch zur jüdischen Küche. Durch die Bücherverbrennungen im zweiten Weltkrieg sind jüdische Kochbücher aus dieser Zeit heute sehr selten. Die Vorbesitzer haben offenbar versucht, es durch den schwarzen Einband zu verstecken. Ich habe die nicht überall aufgeklebte Folie bereits an einigen Stellen entfernen können und plane den darunter liegenden Jugendstileinband mit Goldverzierungen vollständig wiederherzustellen. Die Werbung für Louis Simon’s Geschäft in der Kaiserstraße hat leider ein trauriges Ende: Simon verstarb 79-jährig im Jahr 1939, seine Ehefrau und Prokuristin Eugenie wurde 1941 in das Ghetto Kowno deportiert und dort am 25.11.1941 von den Nazis ermordet.

 

Kochbuch für die böhmische und deutsche Küche

Lagler, Henriette, 1892, 3. Auflage, 292 Seiten

Pappeinband mit Goldprägung

Weiss [2221], Quelle: Bibliotheca Culinaria, Preis: 250,00 Euro

Das Kochbuch von Henriette Lagler kannte ich bisher noch nicht. Das Buch befasst sich mit böhmischer Küche, entsprechend sitzt der Verlag auch in Aussig, dem heute tschechischen Ústí nad Labem. Das Buch gefiel mir nicht nur auf Grund des schönen Einbandes und des sehr guten Zustandes, sondern es stach auch durch eine Vielzahl von Fundstücken heraus. Ich hatte kurz überlegt, die Postkarte mit der man ein kostenloses Handbuch für die Gesundheit bestellen kann, zu frankieren und an die Quäker Nährmittel Gesellschaft zu senden, allerdings gilt die Aktion, wie man auf der Rückseite der Postkarte lesen kann, nur bis 31. Dezember 1936.

 

 Die sich selbst belehrende Köchin

Metzner, Antonie, 1836, 4. Auflage, 256 Seiten

Schwarzer Pappeinband

Weiss [2541], Quelle: ZVAB, Preis: 50,00 Euro

Nachdem ich mich geärgert hatte, dass im Kochbuch von Antonie Metzner eines der beiden Kupfer fehlte (siehe Blog-Eintrag vom 1. Mai 2017), beschloss ich, das Buch noch einmal zu kaufen. Nach kurzem stöbern bei ZVAB und Rückfrage beim Anbieter ob beide Kupfer enthalten seien, bestellte ich die ein Jahr später erschienene 4. Auflage. Preislich liegen die beiden Ausgaben in etwa im gleichen Rahmen. Im Gegensatz zur dritten Auflage waren die Kupfer hier am Ende des Buches eingebunden, was dafür spricht, dass das zweite Kupfer dort schlicht vergessen wurde.

 

Die Nürnbergische wohl unterwiesene Koechinn

Autor unbekannt, 1779, 2. Auflage, 616 Seiten

Marmorierter Pappeinband mit fehlendem Buchrücken

Weiss [2844], Quelle: ebay-Sofortkauf, Preis: 650,00 Euro

Dieses Juwel des Rokoko war bei ebay ca. 1 Stunde verfügbar bis ich es gekauft hatte. Fast schon unfassbar günstig für ein Kochbuch der Zeit, dessen einziges Manko der fehlende Streifen auf dem Buchrücken ist. Das skurril anmutende Titelkupfer soll wohl eine Szene aus einer Küche zeigen, in der Hühner gewaschen werden bevor sie am Spieß gegrillt werden. Ein aktueller Trend der sich auch im 18. Jahrhundert schon zeigte: Saisonale Gerichte.

 

Die 50 Pfennig-Küche

Freyburg, Elise, 1890, 2. Auflage, 237 Seiten

Pappeinband mit Jugendstilmotiven

Weiss [1110], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 38,50

In diesem Kochbuch prägen weniger Zubereitungstips und Anleitungen das Thema als vielmehr die exakten Preise der Gerichte. Selbst Salz, Zucker und kleinste Mengen Kräuter fließen in die Berechnung mit ein. Das abgedruckte Menu für zwei Personen wäre auch heute noch ein billiges Gericht, es würde ca. 6 Euro für zwei Personen kosten.

 

Kochbuch für Norddeutschland

Keck, Luise, 1894, Erstausgabe, 224 Seiten

Pappeinband mit Goldprägung

Weiss [1857], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 28,50 Euro

Eine schöne kleine Erstausgabe aus der Gründerzeit. Die Rezepte haben wie viele Kochbücher aus dem 19. Jahrhundert einen regionalen Bezug, in diesem Fall Schleswig-Holstein und Mecklenburg. Im Anhang die wohl zu dieser Zeit üblichen Bezeichnungen für die Teile eines Rindes. Auch in diesem Buch finden sich einige interessante Fundstücke. Handschriftliche Rezepte wurden auf der Rückseite dieses Formblatts für Dentisten notiert. War einer der Vorbesitzer Zahnarzt? Mein Arbeitskollege bemerkte, dass „Nervtöten ohne Nachbehandlung“ auch zu seinen Spezialgebieten zählt…

 

Constanzer Kochbuch – Zweiter Band

Kümicher, Caroline, 1827, Erstausgabe, 338 Seiten

Marmorierter Pappeinband

Weiss [2159], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 42,17 Euro

Zu diesem Kochbuch hatte ich bereits den ersten Band, allerdings nicht in der Erstausgabe sondern in der zweiten Auflage von 1825. Der marmorierte Pappeinband ist charakteristisch für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Kochbuch: Ein Rezept für Brühwürfel („Bouillon-Tafeln“), in dem explizit darauf hingewiesen wird, dass es billiger („wohlfeiler“) ist als das Rezept im ersten Band.

 

Hessisches Kochbuch

Autor unbekannt, 1840, Erstausgabe, 313 Seiten

Marmorierter Pappeinband

Weiss [1591], Quelle: ebay-Sofortkauf, Preis: 99,00 Euro

Endlich wurde einmal das hessische Kochbuch bei ebay angeboten, da gab es selbst bei dem vergleichsweise hohen Preis keinen Zweifel, dass dieses Stück Heimatgeschichte gekauft werden musste. Bisher hatte ich zwar schon einige Ausgaben von Dähnhardt’s „Supp‘, Gemüs‘ und Fleisch“ und Schünemann’s „Frankfurter Kochbuch“ im Besitz, aber noch nicht das  hessische Kochbuch. Die Autorin ist auch [Weiss] nicht bekannt und im Vorwort widmet sie das Buch ihren geliebten Töchtern und Enkelinnen. In diesem Buch wird laut wikipedia zum ersten mal das Rezept für grüne Sauce erwähnt, allerdings nur mit 4 statt der bekannten 7 Kräuter („Borage, Pimpinelle, Schnittlauch und Estragon“). Im Anhang befinden sich monatliche Pflanztipps für einen Küchengarten.

 

Kleines Kochbuch für angehende Köchinnen und kleinere Wirthschaften

Allestein, Emma, 1869, Erstausgabe, 188 Seiten

Pappeinband

Weiss [75], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 35,00 Euro

Emma Allestein ist die Autorin des „Besten Bürgerlichen Kochbuches“, das ich bereits in der 11. Ausgabe von 1884 im Besitz hatte. Scheinbar um den Absatz zu verbessern hat der Verlag Hermann Kanitz einen Teil der Rezepte in diesem „kleinen Kochbuch“ erneut veröffentlicht. Ein Vergleich der Bücher zeigt, dass hier sogar die identischen Rezepte genutzt wurden. Auch auf ein Vorwort wurde verzichtet, wohl aber wird auf dem Titelblatt darauf aufmerksam gemacht, dass es sich nur um einen Auszug aus dem größeren Werk handelt. Heutzutage würde man solche „Auskopplungen“ vermutlich als Abzocke bezeichnen.

 

Die sich selbst belehrende Köchin

Metzner, Antonie, 1835, 3. Auflage, 249 Seiten

Marmorierter Pappeinband

Weiss [2541], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 52,81 Euro

Das Kochbuch beginnt mit einem Kupferstich, der das Anrichten von fünf verschiedenen Tafeln zeigt. Ein zweiter Kupferstich, der das „Tranchiren“ verschiedener Fleischspeisen erläutert, fehlt in meinem Exemplar leider. Da Kochbücher in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eher schlichtes Nutzwerk waren ist ein teurer Kupferstich in den Werken dieser Zeit eine Seltenheit. Entsprechend schätzt auch [Weiss] den Wert des Buches auf bis zu 400 Euro ein. Seine Datierung (1834) stimmt jedoch nicht mit meiner überein. Im Vergleich zu anderen Kochbüchern wird in diesem Werk ein sehr kleiner Schriftsatz genutzt und auch weitgehend auf Zeilenabstände verzichtet, was das lesen deutlich erschwert.

 

Das Neue Kochbuch für das deutsche Haus

Oppre, Anna, 1879, Erstausgabe, 385 Seiten

Roter Halbledereinband mit Goldprägung

Weiss [2906], Quelle: ebay-Sofortkauf, Preis: 70,00 Euro

Ein prunkvolles Buch, das sofort durch den aufwändig gestalteten Einband besticht und den zweifarbigen Druck in schwarz und rot, den der Verlag im Vorwort selbst als „zum Nachschlagen praktisch“ bezeichnet. Das Buch ist zudem außergewöhnlich groß und war auch [Weiss] ein ganzseitiges Foto wert. Er selbst bezeichnet es als „eines der wenigen ‚bibliophilen‘ Kochbücher der Gründerzeit“. Das Buch befindet sich in perfektem Zustand und auch angesichts des Schätzpreises von 500 Euro scheine ich hier einen guten Kauf gemacht zu haben.

 

Neuestes Lehrbuch der Conditorei

Lichtenberg, J.C., 1847, 4. Auflage, 184 Seiten

Papp-Einband mit Rotschnitt

Weiss [2293], Quelle: ZVAB, Preis: 70,00 Euro

Bestimmte Untergebiete der Kochkunst erzielen häufig höhere Preise als „normale“ Kochbücher. Dies ist zum Beispiel bei Puppenkochbüchern der Fall, aber auch bei Büchern über das Backen. Dieses schlichte kleine Buch mit dem auffallenden Rotschnitt beschreibt alle Facetten der Bäckerei und Konditorei, wie beispielsweise auch die Herstellung von Lebensmittelfarben.

 

Bürgerliches Kochbuch für die Abonnenten der Berliner Morgenzeitung

Autor unbekannt, 1899, 6. Auflage, 360 Seiten

Papp-Einband mit Jugendstilmotiv

Weiss [562], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 12,00 Euro

Oft weiß man wenig über Herkunft und Vorbesitzer der Bücher. Bei diesem günstig ersteigerten Kleinod lässt sich zumindest festhalten dass die Besitzerin(?) es genutzt hat, um mehrblättrige Kleeblätter zu sammeln. Typisch für die Zeit um die Jahrhundertwende sind der eine Köchin zeigende Jugendstileinband und die Blumenmuster auf dem Vorsatz.

 

Thalysia oder das Heil der Menschheit

Springer, Robert, (Gleizès, Jean-Antoine), 1872, Erstausgabe, 590 Seiten,

marmorierter Halbledereinband auf 4 Bünden mit Rückenschild

Quelle: ebay-Sofortkauf, Preis: 89,00 Euro

Jean-Antoines Gleizès war einer der Vorreiter des Vegetarismus in Frankreich. Das Frontispiz zeigt Gleizès in einem Kupferstich. Sein Buch Thalysia liegt hier in der deutschen Übersetzung von Robert Springer vor, der auch selbst Autor eines vegetarischen Kochbuchs ist. Heutzutage undenkbar: Im Anhang des Buches befindet sich eine Seite mit bekannten Druckfehlern.

 

Augusta-Kochbuch

Langenstein, Dorothea, 1895, Erstausgabe, 464 Seiten

Papp-Einband mit Jugendstilmotiv

Weiss [2233], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 13,00 Euro

Der Einband zeigt ein florales Frauenbild, typisch für die Zeit des Jugendstils. Das ansonsten leider sehr zerfledderte Buch konnte nicht nur durch den niedrigen Preis überraschen sondern auch durch die vielen Fundstücke, die lose zwischen den Seiten des Buches lagen. Kalenderblätter, Zeitungsausschnitte, Werbung, Handschriften – ein Glücksgriff!

 

Die Wörishofer Küche

Haggenmiller, Agathe, 1897, Erstausgabe, 335 Seiten

Pappeinband mit Vergoldungen, Weiss [1398],

Quelle: Buchstand auf Nürnberger Wochenmarkt, Preis: 22,00 Euro

Auf einem Wochenendausflug nach Nürnberg mit Freunden hatte ich zunächst im Antiquariat kein Glück, dann aber umso mehr an einem Bücherstand auf dem Wochenmarkt. Das Kochbuch im Sinne Kneipp’s beginnt wie viele Werke der Zeit mit einem Appell an die Reinlichkeit in der Küche und endet mit Werbung, unter anderem für den Herausgeber. Ein Schnäppchen – [Weiss] schätzt den Wert des seltenen Werkes auf über 300 Euro.

 

Würzburger Kochbuch

Brunn, Therese, 1876, 4. Auflage, 388 Seiten

Marmorierter Halbledereinband

Weiss [524], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 38,50 Euro

Schlichtes kleines Kochbuch, leider in vergleichsweise schlechtem Zustand. In der Einleitung befindet sich eine Umrechnungstabelle der alten bayerischen in die neuen deutschen Maße. Als Anhang zum Kochbuch findet man Speisezettel – eine gewöhnliche Praxis in Kochbüchern des 19. Jahrhunderts, wo es üblich war nicht nur einen Gang auf den Tisch zu bringen.

 

Preußisches Kochbuch für Frauenzimmer

Autor unbekannt, 1814, 2. Auflage, 586 Seiten

Marmorierter Pappband mit vergoldetem Rückenschild

Weiss [3040], Quelle: ebay-Auktion, Preis: 334,33 Euro

Ein eher einfaches Buch, ohne Kupfer oder Tafeln. Bemerkenswert ist lediglich der Grünschnitt, den ich sonst von keinem anderen Buch her kenne. Bis heute frage ich mich warum ich dafür so viel Geld bezahlt habe, aber mit dem Preis stieg auch mein Ehrgeiz, es haben zu wollen.